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Hier einmal in ganz persönlicher eigener Sache:

Ich schreibe offen über mein Leben, weil meine Sicht sonst niemand erzählt. Meine Beiträge sind öffentlich — und es ist völlig in Ordnung, wenn auch das Jugendamt mitliest. Ich nenne keine Namen, keine Schuldigen. Ich schreibe über ME/CFS, über Liebe, über Verlust und darüber, wie Entscheidungen manchmal weh tun. Gefühle sind keine Straftat. Meine Wahrheit auch nicht.

Wir stehen an einem Scheideweg

Hat der Mensch noch eine Chance? Neue Daten sagen: Bis 2050 könnten wir bei +3 °C landen. Das ist nicht „irgendwann“, das ist in 25 Jahren. Und trotzdem reden viele noch so, als ginge es nur um „ein bisschen wärmere Sommer“. Wenn Dummheit eine Krone bräuchte – diese Aussage würde sie tragen.

+3 °C bedeutet: 45‑Grad‑Sommer in Deutschland. Neue Wüsten in Südeuropa. Unbewohnbare Regionen. Feuer, Dürre, Wasserknappheit. Und weltweit rund 2,5 Milliarden Menschen, die ihre Heimat verlieren. Wer glaubt, das gehe ihn nichts an, wird sehr bald eines Besseren belehrt.

Die Wissenschaft zeigt klar: Wir stehen kurz vor mehreren Kipppunkten. Korallenriffe? Bereits verloren. Der Amazonas? Kurz davor zu kippen. Golfstrom? Risiko eines Kollapses unter +2 °C. Das ist kein Katastrophenfilm – das ist der aktuelle Forschungsstand.

Und warum sind wir hier? Weil wir zu langsam waren. Weil Regierungen lieber verwalten als handeln. Weil man Warnungen ignoriert hat. Ja, es gibt Fortschritte – aber das Tempo reicht nicht. Wir bräuchten positive Kipppunkte, die Lösungen verstärken. Stattdessen stolpern wir Richtung Abgrund.

Was jetzt? Es gibt noch eine Chance – aber nur, wenn wir sofort handeln. Jedes Zehntelgrad zählt. Energie, Verkehr, Heizen, Landwirtschaft, Industrie: alles muss schneller, konsequenter, ehrlicher werden. Halbherzigkeit ist tödlich.

Und die aktuelle Regierung? Sie ignoriert Warnungen. Sie bremst statt beschleunigt. Sie tut so, als sei Klimaschutz eine Option – nicht eine Überlebensfrage.

Ich wähle Grün, weil ich Verantwortung ernst nehme. Weil ich nicht warten will, bis der letzte Wald brennt und der letzte Fluss kippt. Und ganz ehrlich: Ich habe nicht das Gefühl, dass Merz, Trump, Putin oder Xi Jinping verstanden haben, was hier auf dem Spiel steht.

Wir stehen an einem Scheideweg. Ignoranz zerstört unsere Zukunft. Handeln gibt uns eine Chance.

Die Zeit des Wegschauens ist vorbei.

„Bin ich mit meinem Blog rechtlich auf der sicheren Seite?“

„Bin ich mit meinem Blog rechtlich auf der sicheren Seite?“

Es gibt Dinge im Leben, die versteht man einfach nicht. Zum Beispiel, wie ein kleiner Junge, zu dem ich eine enge und liebevolle Bindung habe, plötzlich keinen Kontakt mehr zu mir haben darf. Nicht, weil er sich von mir abgewendet hätte. Nicht, weil er Angst vor mir hätte. Nicht, weil zwischen uns etwas vorgefallen wäre.

Sondern weil Erwachsene entschieden haben, dass es besser sei, wenn wir uns nicht sehen.

Ich schreibe das bewusst so klar, weil es mir wichtig ist: Mein Enkel hat mir selbst immer wieder gesagt, dass er mich vermisst. Er hat nie zu mir gesagt, dass er mich nicht sehen möchte. Er hat nie Distanz zu mir gesucht.

Die Tür zwischen uns wurde nicht von ihm geschlossen.

Und genau das ist der Punkt, der mich schreiben lässt.

Ich habe lange darüber nachgedacht, ob mein Blog mir Probleme machen könnte. Ob ich zu offen bin. Ob ich zu ehrlich bin. Ob jemand behaupten könnte, ich würde über andere herziehen. Aber am Ende bleibt für mich eine einfache Wahrheit:

Ich schreibe nicht über Menschen. Ich schreibe über Gefühle. Ich schreibe nicht über Schuld. Ich schreibe über Schmerz. Ich schreibe nicht über Vorwürfe. Ich schreibe über das, was ich erlebe und empfinde.

Ich nenne keine Namen. Ich zeige keine Fotos. Ich stelle nach bestem Wissen keine falschen Behauptungen auf. Ich möchte niemanden beleidigen oder bloßstellen.

Ich beschreibe nur, wie es sich anfühlt, wenn ein Kind, das im selben Haus wohnt, plötzlich nicht mehr zu dir kommen darf. Wenn du seine Schritte hörst, aber nicht mehr seine Stimme. Wenn ein Kind dir immer wieder sagt, dass es dich vermisst, und ihr euch trotzdem nicht sehen dürft.

Das ist keine Fantasie. Das ist keine Übertreibung. Das ist mein persönliches Erleben.

Und genau deshalb ist mein Blog wichtig. Nicht, um jemanden anzugreifen. Nicht, um jemanden schlechtzumachen. Sondern weil ich eine Geschichte habe, die ich nicht länger in mir verschließen möchte.

Für mich steht fest: Gefühle zu beschreiben ist keine Straftat. Eigene Erfahrungen zu schildern ist keine Straftat. Ehrlich über das eigene Leben zu schreiben ist keine Straftat – solange man bei der Wahrheit bleibt und die Rechte anderer achtet.

Ich schreibe, weil Schreiben mir hilft. Ich schreibe, weil Schweigen meinen Schmerz nicht kleiner macht. Ich schreibe, weil ich meinen Weg finden muss, mit einer Situation umzugehen, die mich tief verletzt.

Vielleicht versteht mein Sohn das eines Tages. Vielleicht erkennt er irgendwann, dass mein Blog kein Angriff ist, sondern ein Ort, an dem ich meine Gedanken ordnen und meinen Gefühlen Ausdruck geben kann. Vielleicht wird irgendwann deutlich, dass Liebe sich nicht verbieten lässt, auch wenn Begegnungen verhindert werden.

Bis dahin schreibe ich weiter. Für mich. Für Daniel. Und für meine Wahrheit – so, wie ich sie erlebt habe

 

Ein Satz, der alles sagt

Ein Satz, der alles sagt

Es gibt Momente, die einen nicht loslassen, obwohl man gar nicht selbst dabei war. Man hört etwas, und plötzlich bleibt ein kleiner Knoten im Bauch zurück.

Bevor ich erzähle, worum es geht, ein kurzer Hinweis für alle, die meinen Blog nicht regelmäßig lesen:

Es geht um ein kleines Mädchen aus unserem erweiterten Familienkreis. Sie lebt nicht bei ihrer Mutter, sondern in einer anderen stabilen Umgebung. Ich selbst bin eine Art Stiefoma für sie – eine vertraute Bezugsperson, die sie schon lange kennt. Mehr muss man dazu nicht wissen.

Vor ein paar Tagen wurde mir von einer Situation erzählt, die mich seitdem beschäftigt.

Das Mädchen fährt morgen wieder zu ihrer Mutter zum regulären Besuchskontakt. Und weil ich bald Geburtstag habe, wurde sie vorab gefragt, ob sie mir gerne gratulieren und vielleicht ein kleines Geschenk überreichen möchte.

Sie wollte das. Sofort. Ohne Zögern. Doch dann fiel ein Satz, der mir nicht mehr aus dem Kopf geht:

„Ich muss das heimlich machen, sonst darf ich nicht hingehen.“

Heimlich. Ein Wort, das in einem Kinderleben nichts mit Zuneigung zu tun haben sollte.

Mir wurde außerdem berichtet, dass das Mädchen solche Situationen als „sehr laut und hektisch“ erlebt und davor Angst habe.

Mich macht das nachdenklich.

Ein Kind sollte nicht überlegen müssen, wem es gratulieren darf. Ein Kind sollte nicht flüstern müssen, was es eigentlich laut sagen möchte. Und kein Kind sollte das Gefühl haben, dass ein freundlicher Gruß zu Schwierigkeiten führen könnte.

Ich gebe diesen Vorfall nicht weiter. Nicht, weil er unwichtig wäre, sondern weil ich nicht in die offiziellen Abläufe eingebunden bin. Ich kann nur das wiedergeben, was mir erzählt wurde und was mich beschäftigt.

Ich kann daran nichts ändern, aber ich vergesse diesen Satz nicht.

Manchmal reicht ein einziger Satz aus, um nachdenklich zu machen.

Was ist eine Fachkraft für Online‑Marketing und E‑Commerce

Was ist eine Fachkraft für Online‑Marketing und E‑Commerce

Viele Menschen können sich unter dem Beruf Fachkraft für Online‑Marketing und E‑Commerce nicht viel vorstellen. Für mich dagegen war diese Weiterbildung damals ein wichtiger Schritt — und heute, mit meinem neuen Samsung‑Notebook und den ganzen KI‑Tools, merke ich, wie viel davon wieder zu mir zurückkommt.

Online‑Marketing bedeutet, Menschen im Internet zu erreichen: mit Texten, Bildern, Ideen, Informationen. Es geht darum, Inhalte sichtbar zu machen, Webseiten zu verbessern, Zielgruppen zu verstehen und digitale Kommunikation so zu gestalten, dass sie ankommt.

E‑Commerce ist der praktische Teil davon: Produkte einstellen, Shops pflegen, Bestellungen verwalten, Kunden informieren, Abläufe optimieren. Kurz gesagt: Alles, was nötig ist, damit ein Online‑Shop funktioniert.

Beides zusammen ergibt einen Beruf, der Kreativität und Technik verbindet. Man schreibt, gestaltet, analysiert, organisiert — und das alles digital.

Als ich diese Fortbildung gemacht habe, war das Internet noch eine ganz andere Welt. Dreamweaver, Photoshop, HTML‑Baukästen, viel Handarbeit. Heute geht vieles leichter, schneller und intuitiver. Und genau das macht es mir trotz ME/CFS möglich, wieder kreativ zu werden.

Mit KI‑Anwendungen, Windows 11 und meinem Notebook kann ich schreiben, strukturieren, gestalten und meinen Blog weiterentwickeln, ohne meinen Körper zu überfordern. Es ist eine neue Art zu arbeiten — und gleichzeitig eine Rückkehr zu dem, was ich damals gelernt habe.

Nach und nach baue ich alle meine alten Blogtexte in meinen neuen Blog ein. Es ist viel Arbeit, ja. Aber es ist Arbeit, die mir guttut. Arbeit, die mich nicht überfordert, sondern mir das Gefühl gibt, wieder etwas erschaffen zu können.

Und vielleicht ist genau das der Kern dieses Berufs: Online‑Marketing und E‑Commerce sind nicht nur Technik. Es ist die Möglichkeit, Gedanken sichtbar zu machen — selbst dann, wenn der Körper Grenzen setzt.

Wenn Intelligenz Wurzeln schlägt

Wenn Intelligenz Wurzeln schlägt

– und warum die ersten Lebensjahre so viel bedeuten

Es gibt Momente im Leben, die uns für immer prägen. Für Kinder sind das vor allem die ersten Lebensjahre. In dieser Zeit entstehen nicht nur Sprache, Vertrauen und Neugier – auch die Grundlagen für viele geistige Fähigkeiten entwickeln sich. Die Forschung zeigt, dass sowohl genetische Veranlagung als auch die Erfahrungen eines Kindes eine wichtige Rolle spielen.

Ich habe das bei Daniel jeden Tag erlebt.

Als er klein war, war unser Alltag voller kleiner Momente, die im Rückblick gar nicht klein waren: seine Fragen, sein Staunen, sein Lachen und seine Art, die Welt zu entdecken. Wir haben zusammen gemalt, gebastelt, Geschichten erfunden. Wir haben gesprochen, beobachtet und ausprobiert. Dabei konnte ich miterleben, wie er Zusammenhänge verstand, neugierig blieb und Freude am Lernen entwickelte.

Nicht, weil ich ihn nach einem besonderen Konzept gefördert hätte, sondern weil wir viel Zeit miteinander verbrachten.

Kinder brauchen in den ersten Lebensjahren keine perfekten Förderprogramme. Sie brauchen Menschen, die ihnen zuhören, sie ernst nehmen und ihnen Geborgenheit vermitteln. In einer solchen Umgebung fällt es ihnen leichter, Fragen zu stellen, Fehler zu machen und Neues auszuprobieren.

Ich bin dankbar, dass ich Daniel in dieser wichtigen Zeit begleiten durfte. Diese gemeinsamen Erfahrungen kann uns niemand nehmen.

Viele wissenschaftliche Studien zeigen, dass eine liebevolle und anregende Umgebung in den ersten Lebensjahren eine wichtige Grundlage für die weitere Entwicklung eines Kindes bildet.

Ich hoffe, dass all die schönen gemeinsamen Erlebnisse Daniel auch in Zukunft begleiten.

Liebe, Zeit und Geborgenheit gehören zu den wertvollsten Geschenken, die man einem Kind mit auf den Weg geben kann.

Frieden durch Abstand

Frieden durch Abstand

Es gibt Menschen, die glauben, ein Kontaktabbruch zwischen Eltern und Kindern müsse immer aus Hass entstehen. Meine Erfahrung ist eine andere.

Von 2003 bis 2019 hatte ich keinen Kontakt zu meiner Mutter. Sechzehn Jahre lang. Eine Zeit, die nicht aus einer spontanen Laune heraus entstand, sondern aus der Erkenntnis, dass mir der Abstand guttat.

In diesen Jahren machte ich eine lange Therapie. Über sechs Jahre hinweg beschäftigte ich mich immer wieder mit meiner Kindheit, meiner Familie und besonders mit der Beziehung zu meiner Mutter. Sie war eines der zentralen Themen. Meine Therapeutin war damals der Meinung, dass der fehlende Kontakt für mich gesund sei.

Trotzdem nahm ich 2019 wieder Kontakt auf. Nicht für mich. Nicht, weil sich plötzlich alles geändert hatte. Nicht, weil es eine große Versöhnung gegeben hätte.

Mein Enkel wurde geboren.

Ich wollte nicht, dass er auf einen Teil seiner Familie verzichten muss. Also öffnete ich eine Tür, die viele Jahre geschlossen gewesen war.

Heute, einige Jahre später, kann ich sagen: Meine Mutter hat sich nicht verändert. Sie ist inzwischen 82 Jahre alt. Nach dem Tod meines Stiefvaters verbrachte ich vier Wochen bei ihr. Diese Zeit zeigte mir deutlich, dass die alten Muster noch immer vorhanden sind. Selbst meine Erkrankung ME/CFS wird von ihr nicht wirklich akzeptiert oder verstanden.

Früher hätte mich das verletzt. Heute nicht mehr.

Nicht, weil es unwichtig geworden ist. Sondern weil ich aufgehört habe, etwas von ihr zu erwarten, das sie mir nie geben konnte.

Während der sechzehn Jahre ohne Kontakt hatte meine Tochter weiterhin Verbindung zu ihrer Großmutter. Trotzdem fragte meine Mutter nie nach mir. Früher hätte ich nach Erklärungen gesucht. Heute ist es einfach eine Tatsache.

Manche Wahrheiten verlieren ihren Schmerz, wenn man aufhört, gegen sie anzukämpfen.

Ich diskutiere nicht mehr. Ich rechtfertige mich nicht mehr. Ich versuche nicht mehr, Verständnis zu erzwingen. Das kostet nur Kraft – und Kraft ist für mich mit ME/CFS eine besonders wertvolle Ressource.

Heute habe ich Kontakt zu meiner Mutter, aber mit Abstand. Ein Abstand, der nicht aus Ablehnung besteht, sondern aus Selbstfürsorge.

Gelassenheit bedeutet für mich nicht Gleichgültigkeit. Es bedeutet, die Realität anzunehmen, wie sie ist.

Meine Mutter ist, wie sie ist.

Und ich bin, wie ich bin.

Das genügt.

Manchmal ist Frieden nicht das Ergebnis einer Versöhnung. Manchmal entsteht Frieden, wenn man aufhört, einen Menschen verändern zu wollen und akzeptiert, dass er niemals der Mensch sein wird, den man sich gewünscht hat.

Für mich war genau das ein großer Schritt in die Freiheit.

Wenn Kinder zum Spielball werden

Wenn Kinder zum Spielball werden

Es gibt Dinge, die mich immer wieder beschäftigen. Nicht laut, nicht dramatisch, sondern eher dieses stille Kopfschütteln, das man innerlich macht, wenn man sieht, wie Erwachsene sich verhalten. Ganz oben auf dieser Liste: Situationen, in denen Kinder zum Spielball werden.

Manchmal frage ich mich, ob es wirklich so schwer ist, ein Kind einfach Kind sein zu lassen. Ohne Hintergedanken. Ohne Machtspielchen. Ohne diese kleinen Sticheleien, die eigentlich gar nichts mit dem Kind zu tun haben, sondern nur mit den Erwachsenen, die sich gegenseitig etwas beweisen wollen.

Und dann stehe ich da und denke mir: „Aha. Wieder einmal wird ein Kind benutzt, weil die Großen ihre eigenen Themen nicht geregelt kriegen.“

Das Traurige daran ist: Kinder merken viel mehr, als man ihnen zutraut. Sie spüren Spannungen, unausgesprochene Dinge, verdrehte Geschichten. Sie verstehen vielleicht nicht die Worte, aber sie fühlen die Atmosphäre. Und genau das bleibt hängen.

Kann man etwas dagegen tun? Nicht das, was man am liebsten tun würde. Man kann nicht dazwischen springen, nicht alles geradebiegen, nicht die Welt reparieren.

Aber man kann sich weigern, mitzuspielen.

Man kann ruhig bleiben, auch wenn andere laut werden. Man kann Grenzen setzen, ohne zu kämpfen. Man kann dem Kind einen Ort geben, an dem es nicht benutzt wird, nicht bewertet, nicht zwischen die Fronten geschoben.

Und manchmal ist genau das der größte Unterschied.

Ich habe für mich entschieden: Ich bleibe bei mir. Ich mache nicht mit bei den Spielen anderer. Ich lasse mich nicht in Geschichten hineinziehen, die gar nicht meine sind. Und ich bleibe der Mensch, bei dem ein Kind einfach nur Kind sein darf.

Vielleicht kann man die Welt nicht ändern. Aber man kann wenigstens dafür sorgen, dass sie bei einem selbst ein bisschen weniger kompliziert ist.

Wenn gute Absichten im falschen Ohr landen

Wenn gute Absichten im falschen Ohr landen

 

Es gibt Situationen, da merkt man wieder, wie unterschiedlich Menschen ticken. Da macht jemand etwas aus reiner Freundlichkeit, aus einem warmen Gedanken heraus – und kaum landet es bei den „richtigen“ Leuten, wird daraus plötzlich ein völlig anderes Märchen gestrickt.

Genau so ein Fall ist mir heute begegnet.

Eine Freundin von mir, wirklich ein Herzmensch, hatte die Idee, meinen Enkel zu fragen, ob er mit uns in den Europapark fahren möchte. Eine schöne Idee, ein netter Gedanke, nichts Aufregendes. Sie hat – ohne es böse zu meinen – direkt bei meinem Sohn und seiner Frau nachgefragt.

Und da fängt das Problem an.

Denn in dieser Familie gibt es Menschen, die können aus einem harmlosen Satz ein Drama in drei Akten basteln. Da wird nicht gehört, was gesagt wurde, sondern nur das, was man gerne hineininterpretieren möchte. Und plötzlich wird aus einer gut gemeinten Frage eine „Einmischung“, ein „Plan“, ein „Einflussversuch“.

Ich sitze dann da und denke mir: „Aha. Wieder einmal wird aus einer Mücke ein Elefant – und ich soll am Ende erklären, wo der Rüssel herkommt.“

Das Lustige daran: Ich wusste nicht einmal, dass die Frage gestellt wurde. Ich war weder beteiligt noch informiert. Aber das hält manche Leute nicht davon ab, mich trotzdem in die Geschichte hineinzuziehen.

Es ist schon erstaunlich, wie schnell manche Menschen Dinge verdrehen können, wenn es ihnen gerade passt. Und wie selbstverständlich sie davon ausgehen, dass ich hinter allem stecke, was ihnen nicht in den Kram passt.

Dabei war es einfach nur eine liebevolle Idee einer Freundin. Nicht mehr, nicht weniger.

Ich nehme es inzwischen mit Humor. Ein bisschen Ironie hilft, wenn man merkt, dass andere sich ihre eigene Realität zusammenbauen. Ich bleibe bei mir, bleibe ruhig und lasse das Ganze dort, wo es hingehört: in der Kategorie „gut gemeint, aber bitte nächstes Mal vorher kurz fragen“.

Wenn man die Einzige ist, die erwachsen handelt

Wenn man die Einzige ist, die erwachsen handelt

Es gibt Tage, da frage ich mich, warum man sich überhaupt mit Menschen auseinandersetzen muss, die emotional auf dem Niveau eines Teenagers reagieren. Das Leben könnte so einfach sein. Aber dann kommt wieder eine dieser Situationen, die mich daran erinnern, dass nicht jeder Mensch gelernt hat, wie man Verantwortung übernimmt, Kritik annimmt oder Konflikte erwachsen löst.

Neulich bekam ich auf eine sachliche, ruhige Mail – nichts Dramatisches, nichts Persönliches, einfach Fakten – eine Reaktion, die alles sagt: ein lachender Smiley. Kein Wort. Keine Erklärung. Keine Klarstellung. Nur ein Emoji.

Und genau darin steckt die ganze Dynamik.

Emotionale Unreife in Reinform

  • Ein Lach‑Smiley ist kein Humor. Es ist ein Schutzschild. Ein Abwehrmechanismus. Ein „Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll, also mache ich es lächerlich.“
  • Menschen, die innerlich stabil sind, reagieren anders. Sie schreiben zurück. Sie erklären. Sie diskutieren. Sie übernehmen Verantwortung.

Menschen, die innerlich unsicher sind, reagieren mit:

  • Abwertung
  • Lachen
  • Trotz
  • Schweigen
  • Schuldumkehr

Nicht, weil sie böse sind. Sondern weil sie überfordert sind.

Reife trifft auf Unreife

In jedem dysfunktionalen System gibt es eine Person, die reflektiert, denkt, Verantwortung übernimmt – und mehrere, die impulsiv reagieren, sobald sie sich bedroht fühlen.

Ich bin die Erste. Die anderen gehören zur zweiten Gruppe.

Das erzeugt automatisch Spannungen. Denn Reife wirkt auf unreife Menschen wie ein Spiegel, den sie nicht ertragen.

Warum ich trotzdem ruhig bleibe

Weil ich weiß, dass ich nicht auf ihrem Niveau reagieren muss. Weil ich weiß, dass meine Ruhe stärker ist als jedes Emoji. Weil ich weiß, dass ich langfristig denke – und nicht impulsiv.

Und weil ich weiß, dass ich das nicht für mich tue, sondern für meinen Enkel. Für ein Kind, das irgendwann verstehen wird, wer in diesem System erwachsen gehandelt hat und wer nicht.

Die Wahrheit ist simpel

Ich ärgere mich nicht. Ich navigiere durch die Unreife anderer – und bleibe dabei ich selbst.

Das ist anstrengend. Aber es ist auch ein Zeichen von Stärke.

Und am Ende des Tages ist das der einzige Weg, wie man in chaotischen Systemen nicht untergeht.

„Wenn der Kopf langsamer ist als die Welt“

„Wenn der Kopf langsamer ist als die Welt“

Es gibt Tage, da fühlt sich mein Kopf an, als hätte jemand die Prozessorleistung auf „Sparmodus“ gestellt. Nicht freiwillig, versteht sich. ME/CFS bringt diesen charmanten Begleiter mit, den man „Brain Fog“ nennt. Ein Name, der klingt wie ein Wetterphänomen, aber leider deutlich hartnäckiger ist als Nebel im Garten.

Verlangsamtes Denken? Ja, das kenne ich. Ich lese einen Satz, und während ich noch versuche, ihn zu verstehen, hat die Welt schon drei neue Themen angefangen. Gespräche sind manchmal wie ein Schnellzug, und ich stehe am Bahnsteig und winke hinterher.

Kurzzeitgedächtnis? Manchmal frage ich mich, ob mein Gedächtnis eine Art Durchgangszimmer geworden ist. Dinge kommen rein, schauen sich kurz um und gehen wieder raus, ohne sich zu verabschieden. Ich nenne es „Gedankenflucht“. Andere nennen es „Vergesslichkeit“. Ich finde meinen Begriff schöner.

Wortfindungsstörungen? Oh, ein Klassiker. Ich weiß genau, was ich sagen will, aber das passende Wort spielt Verstecken. Und ich stehe da, mitten im Satz, und denke: „Na toll. Jetzt hat der Faden auch Feierabend.“

Multitasking? Ein Mythos. Zumindest für mich. Wenn Geräusche, Licht und Gespräche gleichzeitig auf mich einprasseln, fühlt es sich an, als würde jemand meinen Kopf mit einem Schlagzeug bearbeiten. Dann geht gar nichts mehr. Ein Sinneseindruck ist okay. Zwei sind schwierig. Drei sind ein Festival, für das ich kein Ticket habe.

Und genau deshalb gibt es etwas, das mir wirklich hilft: Schreiben.

Schreiben ist mein Rettungsring. Wenn ich schreibe, sortiert sich der Nebel ein bisschen. Gedanken, die sonst wie lose Blätter herumflattern, bekommen Gewicht. Ich kann sie festhalten, ordnen, in Ruhe anschauen — ohne dass jemand drängelt, ohne dass die Welt schneller dreht, als ich folgen kann.

Manchmal schreibe ich, um mich zu erinnern. Manchmal schreibe ich, um mich zu beruhigen. Manchmal schreibe ich, um mich selbst wiederzufinden.

Und manchmal schreibe ich, weil es die einzige Möglichkeit ist, meine Gedanken so festzuhalten, dass ich sie später noch einmal lesen kann — ohne dass sie sich vorher in Luft auflösen.

Vielleicht ist das der eigentliche Kern: Ich kämpfe nicht gegen den Nebel. Ich lerne, mich darin zu bewegen. Und das Schreiben ist die Spur, die ich mir lege, damit ich den Weg zurück finde.

Ein bisschen ironisch, ein bisschen trotzig, ein bisschen ich.

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