Es gibt Dinge im Leben, die versteht man einfach nicht. Zum Beispiel, wie ein kleiner Junge, zu dem ich eine enge und liebevolle Bindung habe, plötzlich keinen Kontakt mehr zu mir haben darf. Nicht, weil er sich von mir abgewendet hätte. Nicht, weil er Angst vor mir hätte. Nicht, weil zwischen uns etwas vorgefallen wäre.
Sondern weil Erwachsene entschieden haben, dass es besser sei, wenn wir uns nicht sehen.
Ich schreibe das bewusst so klar, weil es mir wichtig ist: Mein Enkel hat mir selbst immer wieder gesagt, dass er mich vermisst. Er hat nie zu mir gesagt, dass er mich nicht sehen möchte. Er hat nie Distanz zu mir gesucht.
Die Tür zwischen uns wurde nicht von ihm geschlossen.
Und genau das ist der Punkt, der mich schreiben lässt.
Ich habe lange darüber nachgedacht, ob mein Blog mir Probleme machen könnte. Ob ich zu offen bin. Ob ich zu ehrlich bin. Ob jemand behaupten könnte, ich würde über andere herziehen. Aber am Ende bleibt für mich eine einfache Wahrheit:
Ich schreibe nicht über Menschen. Ich schreibe über Gefühle. Ich schreibe nicht über Schuld. Ich schreibe über Schmerz. Ich schreibe nicht über Vorwürfe. Ich schreibe über das, was ich erlebe und empfinde.
Ich nenne keine Namen. Ich zeige keine Fotos. Ich stelle nach bestem Wissen keine falschen Behauptungen auf. Ich möchte niemanden beleidigen oder bloßstellen.
Ich beschreibe nur, wie es sich anfühlt, wenn ein Kind, das im selben Haus wohnt, plötzlich nicht mehr zu dir kommen darf. Wenn du seine Schritte hörst, aber nicht mehr seine Stimme. Wenn ein Kind dir immer wieder sagt, dass es dich vermisst, und ihr euch trotzdem nicht sehen dürft.
Das ist keine Fantasie. Das ist keine Übertreibung. Das ist mein persönliches Erleben.
Und genau deshalb ist mein Blog wichtig. Nicht, um jemanden anzugreifen. Nicht, um jemanden schlechtzumachen. Sondern weil ich eine Geschichte habe, die ich nicht länger in mir verschließen möchte.
Für mich steht fest: Gefühle zu beschreiben ist keine Straftat. Eigene Erfahrungen zu schildern ist keine Straftat. Ehrlich über das eigene Leben zu schreiben ist keine Straftat – solange man bei der Wahrheit bleibt und die Rechte anderer achtet.
Ich schreibe, weil Schreiben mir hilft. Ich schreibe, weil Schweigen meinen Schmerz nicht kleiner macht. Ich schreibe, weil ich meinen Weg finden muss, mit einer Situation umzugehen, die mich tief verletzt.
Vielleicht versteht mein Sohn das eines Tages. Vielleicht erkennt er irgendwann, dass mein Blog kein Angriff ist, sondern ein Ort, an dem ich meine Gedanken ordnen und meinen Gefühlen Ausdruck geben kann. Vielleicht wird irgendwann deutlich, dass Liebe sich nicht verbieten lässt, auch wenn Begegnungen verhindert werden.
Bis dahin schreibe ich weiter. Für mich. Für Daniel. Und für meine Wahrheit – so, wie ich sie erlebt habe