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Hier einmal in ganz persönlicher eigener Sache:

Ich schreibe offen über mein Leben, weil meine Sicht sonst niemand erzählt. Meine Beiträge sind öffentlich — und es ist völlig in Ordnung, wenn auch das Jugendamt mitliest. Ich nenne keine Namen, keine Schuldigen. Ich schreibe über ME/CFS, über Liebe, über Verlust und darüber, wie Entscheidungen manchmal weh tun. Gefühle sind keine Straftat. Meine Wahrheit auch nicht.

Zwei Tage Europapark

Zwei Tage Europapark

 

Achterbahn‑Junkies, Regenponchos, VIP‑Rollstuhl und ein mega leckeres Frühstücksbuffet

Es waren nicht einfach nur zwei Tage Europapark.
Es waren die ersten drei Tage, die ich seit Jahren, allein mit meine Enkelin unterwegs war.
Ein kleines Abenteuer, das sich größer anfühlte, als ich es vorher geahnt hätte – und das uns beiden etwas geschenkt hat, das bleibt.

meine Enkelin hat eine wunderbar ruhige und ausgeglichene Art.
Sie ist ein Kind, das nicht drängt, nicht fordert, sondern mit einer natürlichen Gelassenheit durch den Tag geht.
Und genau diese Ruhe hat unsere gemeinsame Zeit zu etwas ganz Besonderem gemacht.


Tag 1 – Die Anreise, die Expeditionstruppe und ein Flammkuchen als Finale

Der Europapark liegt für uns knapp 2½ Stunden entfernt – eine Strecke, die lang genug ist, um unterwegs mindestens einmal zu überlegen, ob man wirklich alles eingepackt hat.
Aber wir waren voller Vorfreude: Wir 5 – eine bunte, liebevolle Truppe, bereit für zwei Tage voller Leben.

Der Park begrüßte uns mit Sonne, guter Laune und einem Nieselregen, der sich nicht entscheiden konnte, ob er bleiben oder verschwinden will.
Aber das störte uns nicht.
Wir sind Achterbahn‑Junkies.
Uns hält nichts auf.

Wir lachten, liefen, ließen uns treiben – und manchmal verliefen wir uns auch.
Heike und Jörg strahlten diese entspannte Gelassenheit aus, die man nur hat, wenn man weiß, dass man in guter Gesellschaft ist.
Und meine Enkelin?
Sie war im „Ich-fahre-alles“-Modus – aber gleichzeitig so ausgeglichen, so klar, so bei sich.
Ein Kind, das Abenteuer liebt, ohne hektisch zu werden.

Kurz bevor wir ins Hotel fuhren, gönnten meine Enkelin und ich uns einen Flammkuchen – warm, knusprig, und nach einem Tag voller Achterbahnen einfach himmlisch.


Der Abend im Hotel – und meine Enkelin hat noch lange nicht genug

Während ich mich schon auf die Dusche und das Bett freute, hatte meine Enkelin noch Energie.
Also ging sie mit Heike in den Hotelpool.

Ich dagegen sank ins Bett und war kurz davor, mit dem Kopfkissen zu verschmelzen.

Am nächsten Morgen dann das Highlight:
Das Frühstücksbuffet.
Ein kleines Paradies aus frischem Brot, Obst, warmen Speisen und allem, was das Herz begehrt.
Ein Moment, in dem man einfach nur sitzt, genießt und spürt:
Wir sind zusammen. Und das tut gut.


Tag 2 – Nur meine Enkelin und ich… und der Rollstuhl, der plötzlich zum VIP‑Pass wurde

Der zweite Tag begann anders.
Mein Körper machte unmissverständlich klar:
„Heute geht’s nur mit Hilfe.“

Also lieh ich mir einen Rollstuhl aus.
Nicht als Rückschlag – sondern als Möglichkeit, diesen Tag trotzdem mit meine Enkelin zu erleben.
Und vielleicht gerade deshalb wurde dieser Tag so besonders.

Denn plötzlich waren wir ein Team auf Rädern.
Ich war Petra, die Chauffierte, ausgestattet mit einem Behindertenausweis, der uns in eine völlig neue Dimension des Freizeitpark‑Erlebens katapultierte.

Wir mussten an keiner Achterbahn mehr anstehen.
Null.
Gar nicht.
Wir konnten einfach direkt einsteigen.

Für zwei Achterbahn‑Junkies wie uns fühlte sich das an wie ein geheimer Premium‑Modus, den nur wir kannten.

Natürlich kauften wir uns auch Regenponchos – diese modischen Plastikzelte, in denen man aussieht wie ein wandelnder Müllbeutel.
Aber sie erfüllten ihren Zweck.

Bis 16 Uhr hielt das Wetter durch.
Dann kam der Regen.
Nicht irgendein Regen.
Sondern der Regen, der sagt:
„So, jetzt reicht’s. Abbruch.“

Innerhalb von Sekunden waren wir durchnässt.
Der Rollstuhl auch.
Ich sowieso.
Aber wir lachten.
Weil es so absurd war, dass es schon wieder schön war.

Und meine Enkelin?
Sie blieb ruhig.
Gelassen.
So wie sie ist.
Ein Kind, das selbst im Chaos die Balance hält.


Der Rückzug aus dem Park – und die Rettung naht

Um kurz nach 16 Uhr standen wir am Ausgang – pitschnass, aber glücklich.
Und da kamen sie: Heike und Jörg.
Ruhig, verlässlich, wie zwei Rettungsanker auf vier Rädern.

Sie sammelten uns ein, luden zwei völlig durchweichte Achterbahn‑Junkies ins Auto und brachten uns zurück ins Hotel.


Erstmal auftauen – Badewannen‑Edition

Ich war so durchgefroren, dass ich direkt in die Badewanne stieg.
Und selten hat warmes Wasser so gut getan – nicht nur meinem Körper, sondern auch meiner Seele.


Der Abend – Kentucky Fried Chicken als Happy End

Gegen 18 Uhr fuhren wir alle zusammen zu Kentucky Fried Chicken.
Warm.
Knusprig.
Fettig.
Genau das Richtige nach einem Tag, an dem wir halb im Regen ertrunken waren.

Wir saßen dort, lachten, erzählten und ließen die letzten zwei Tage langsam in uns sinken.


Fazit: Zwei Tage, die bleiben

Nach zwei Nächten im Hotel, einem Frühstücksbuffet zum Verlieben, zwei Tagen voller Achterbahnen, Regen, Lachen, VIP‑Rollstuhl‑Erlebnissen und einem Badewannen‑Rettungsprogramm fuhren wir wieder nach Hause.

Ich fühlte mich:

  • müde

  • glücklich

  • und mit einem Herzen voller Erinnerungen

Und vielleicht war es genau deshalb so besonders:
Es waren die ersten drei Tage, die ich allein mit meiner Enkelin seit Jahren verbracht habe.
Drei Tage, die uns nähergebracht haben, als ich es erwartet hätte.
Drei Tage mit einem Kind, das mit seiner ruhigen, ausgeglichenen Art selbst die chaotischsten Momente weich macht.

Tag 1 war laut, bunt und chaotisch.
Tag 2 war ruhiger, intensiver und irgendwie noch schöner – nur ich und meine Enkelin, zwei Achterbahn‑Junkies, die sich vom Wetter, vom Körper und von gar nichts aufhalten lassen.

Und ganz ehrlich:
Ich würde es wieder tun.
Vielleicht mit wasserdichten Schuhen.
Und definitiv wieder mit meiner Enkelin.

 

 

 


„Warum ein Ja kein Ja mehr ist“

„Warum ein Ja kein Ja mehr ist“

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Es gibt etwas, das viele Menschen für selbstverständlich halten: die Fähigkeit, Pläne zu machen. Einfach zu sagen: „Ja, das mache ich“, und sich darauf zu freuen. Früher war das auch für mich normal. Ein Ja war ein Ja. Ein Versprechen, eine Entscheidung, ein Stück Freiheit.

Das ist eine der unsichtbarsten, aber schmerzhaftesten Seiten von ME/CFS.

🌿 Was Außenstehende oft nicht sehen

ME/CFS ist keine normale Erschöpfung. Es ist keine Müdigkeit, die man „wegschlafen“ kann. Es ist eine schwere neuroimmunologische Erkrankung, die den Körper in seinen Grundfunktionen beeinträchtigt – Energie, Belastbarkeit, Erholung.

Für Außenstehende sieht man oft nichts. Aber im Inneren läuft ständig ein stiller Kampf:

  • Wie viel Energie habe ich heute wirklich?
  • Was passiert, wenn ich mich überlaste?
  • Wie lange werde ich danach ausfallen?
  • Werde ich morgen überhaupt aufstehen können?

Diese Fragen begleiten mich bei jeder Entscheidung. Bei jeder Einladung. Bei jedem Plan.

🌧️ Warum Schönes plötzlich schwer wird

Es ist nicht die fehlende Freude. Es ist die Unsicherheit.

Dieses vorsichtige Abwägen, das andere gar nicht kennen. Dieses leise Zurückhalten, obwohl das Herz eigentlich „Ja“ ruft. Dieses ständige Mitdenken: Schaffe ich das körperlich überhaupt? Was, wenn mein Körper mitten drin aufgibt?

ME/CFS nimmt nicht nur Energie. Es nimmt Spontaneität. Es nimmt Verlässlichkeit. Es nimmt das gute Gefühl, einfach zusagen zu können, ohne Angst vor den Folgen.

🔄 Was Außenstehende oft missverstehen

Wenn ich absage, ist es nie gegen jemanden gerichtet. Es ist nie mangelndes Interesse. Es ist nie fehlende Wertschätzung.

Es ist Selbstschutz. Es ist die Notwendigkeit, mit einer Krankheit zu leben, die keine Rücksicht nimmt. Es ist die Angst vor einem Crash, der mich Tage oder Wochen aus dem Leben reißen kann.

🌙 Was ich am meisten vermisse

Ich vermisse die Version von mir, die planen konnte. Die sich auf etwas freuen durfte, ohne dass der Körper das letzte Wort hatte. Ich vermisse die Sicherheit, die ich früher nie bewusst wahrgenommen habe.

Und doch versuche ich, mir selbst treu zu bleiben. Ich lerne, meine kleinen Ja‑Momente zu feiern. Ich lerne, mich nicht zu verurteilen, wenn mein Körper Grenzen setzt, die ich nicht gewählt habe. Ich lerne, dass Stärke manchmal bedeutet, ehrlich zu sich selbst zu sein.

ME/CFS hat mir viel genommen. Aber es hat mir auch gezeigt, wie wertvoll die kleinen, echten, möglichen Momente sind.

ME/CFS – einfach erklärt

ME/CFS – einfach erklärt

 

Manchmal gibt es Menschen, deren Körper viel schneller müde wird als bei anderen.
Nicht, weil sie faul sind. Nicht, weil sie zu wenig schlafen.
Sondern weil ihr Körper krank ist und viel weniger Energie herstellen kann.

Diese Krankheit heißt ME/CFS.

Wie fühlt sich das an?

Stell dir vor, du hast eine Batterie im Körper.
Bei gesunden Menschen lädt sie sich schnell wieder auf.

Bei Menschen mit ME/CFS ist die Batterie:

  • ganz klein,
  • lädt sich nur langsam,
  • und ist schnell leer.

Manchmal reicht schon etwas Kleines – wie Treppensteigen,
Duschen oder ein Gespräch – und die Batterie ist leer.

Warum ist das so?

Der Körper von Menschen mit ME/CFS arbeitet anders:

  • Das Gehirn wird schneller müde.
  • Die Muskeln fühlen sich schwer an.
  • Das Immunsystem ist durcheinander.
  • Und der Körper kann nicht genug Energie herstellen.

Das ist nicht ihre Schuld. Und sie können nichts dafür.

Das Wichtigste: PEM

Es gibt etwas, das bei ME/CFS ganz typisch ist.
Es heißt Post-Exertionelle Malaise (PEM) – das ist ein schweres Wort,
aber die Bedeutung ist einfach:

Wenn Menschen mit ME/CFS zu viel machen, geht es ihnen viel schlechter.
Manchmal erst Stunden später.

So wie wenn man über eine rote Ampel läuft und plötzlich ein Alarm losgeht.

Darum müssen sie gut aufpassen, nicht zu viel zu tun.

Was hilft?

Menschen mit ME/CFS müssen:

  • oft Pausen machen,
  • ruhig bleiben,
  • ihre Energie einteilen,
  • laute Geräusche und Stress vermeiden.

Das nennt man Pacing – wie ein Tier, das genau weiß, wie weit es laufen kann, ohne zu erschöpfen.

Was Kinder wissen sollten

Wenn jemand ME/CFS hat, bedeutet das:

  • Sie mögen dich trotzdem.
  • Sie wollen Zeit mit dir verbringen.
  • Sie können nur nicht so viel machen wie früher.
  • Sie brauchen Ruhe, damit es ihnen nicht schlechter geht.

 

„Zwei Fahrräder, zwei Jungs –

„Zwei Fahrräder, zwei Jungs –

und ein Jahr voller verpasster Chancen“

Im Mai 2025 habe ich für Dani und Jaydi ein gebrauchtes Puky‑Rad gekauft. Ein richtig gutes – 20 Zoll, Rücktritt, 3 Gänge, stabil, sicher, perfekt für zwei Siebenjährige, die endlich Fahrradfahren lernen sollten. Ich habe es geputzt, geölt, eingestellt. Es sah aus wie neu. Und ich war stolz, weil ich wusste: Damit schaffen sie es.

Brit schrieb mir sogar eine SMS und bedankte sich. Das war selten genug, um mir richtig aufzufallen.

Mit Dani ging alles schnell. Zwei Tage. Mehr brauchte er nicht. Ein bisschen Mut, ein bisschen Lachen, ein paar kleine Stürze – und dann fuhr er. Frei. Stolz. Glücklich.

Ich zeigte Brit genau, wie ich es gemacht habe. Wie man ein Kind hält, wie man loslässt, wie man Vertrauen gibt. Aber sie hörte kaum zu. Sie war körperlich da, aber nicht wirklich anwesend.

Dann brachte mein Sohn ein zweites Fahrrad für Jaydi. Ein 18‑Zoll‑Rad, viel zu klein, völlig verrostet. Als Brit den Sattel höher stellen wollte, brach die Schraube einfach ab. Das war’s. Das Rad wurde nie repariert. Es stand nur herum – ein Symbol für alles, was man hätte tun können, aber nicht getan hat.

Und Jaydi? Er hat es in einem ganzen Jahr nicht gelernt. Nicht, weil er es nicht könnte. Nicht, weil er Angst hätte. Sondern weil niemand mit ihm geübt hat.

Manchmal frage ich mich, wie viele Chancen ein Kind verpasst, nur weil die Erwachsenen um es herum nicht hinschauen.

 

„Die Sonne über dem Haus“

„Die Sonne über dem Haus“

Vor etwas mehr als einem Jahr hat Daniel ein Bild gemalt. Ein Haus. Dunkel, schwarz, grau. Eine kleine Tür, ein großes Fenster mit Gitter. Und darüber eine Sonne – gelbgrau – umgeben von zwei dicken, schweren Wolken.

Ich habe dieses Bild oft angesehen. Nicht nur einmal. Nicht nur kurz. Es ist eines dieser Bilder, die man nicht einfach weglegt, weil sie etwas sagen, das man nicht überhören kann.

Kinder malen ihre Wahrheit. Nicht die Wahrheit der Erwachsenen, nicht die Version, die man ihnen erzählt, sondern die, die sie fühlen.

Und Daniels Wahrheit war damals ein Haus, das nicht warm war. Eine Tür, die zu klein war. Ein Fenster, das vergittert war. Und eine Sonne, die nicht richtig leuchten konnte.

Die Sonne hat mich am meisten getroffen. Sie war da – aber sie war grau. Als hätte sie Licht, aber kein Durchkommen. Als würde sie wollen, aber nicht dürfen. Als wäre sie umgeben von etwas, das stärker ist als sie selbst.

Und dann diese zwei Wolken. Dick. Schwer. Grau. Zwei Belastungen, zwei Kräfte, zwei Spannungen, die sich über sein Licht gelegt haben. Zwei Dinge, die ein Kind nicht benennen kann, aber spürt. Zwei Fronten, zwischen denen er stand, ohne es zu wollen.

Wenn ich heute auf dieses Bild schaue, sehe ich nicht nur ein Haus. Ich sehe ein Kind, das versucht hat, seine Welt zu erklären. Ein Kind, das viel wahrgenommen hat. Ein Kind, das mehr verstanden hat, als Erwachsene glauben. Ein Kind, das in einer familiären Situation stand, die für seine Seele zu laut, zu schwer, zu eng war.

Die kleine Tür sagt: „Ich komme hier nicht richtig rein.“

Das vergitterte Fenster sagt: „Ich sehe alles – aber ich kann nichts tun.“

Die graue Sonne sagt: „Ich will leuchten – aber etwas hält mich zurück.“

Und die zwei Wolken sagen: „Ich stehe zwischen zwei Kräften, die größer sind als ich.“

Manchmal frage ich mich, ob Erwachsene überhaupt merken, wie viel Kinder tragen. Wie viel sie fühlen, ohne Worte zu haben. Wie viel sie ausdrücken, ohne es zu sagen.

Daniel hat es gemalt. Ganz still. Ganz für sich. Und doch spricht dieses Bild lauter als jeder Satz.

Für mich ist dieses Bild ein Stück seiner Seele. Ein Stück seiner Wahrheit. Ein Stück seiner Geschichte.

Und vielleicht ist das Wichtigste, was ich daraus gelernt habe: Dass Kinder uns ihre Welt zeigen – wenn wir bereit sind hinzuschauen. Nicht wegzusehen. Nicht schönzureden. Sondern zu sehen, was wirklich da ist.

Ich sehe Daniel. Ich sehe seine Sonne. Ich sehe seine Wolken. Und ich sehe das Kind, das dieses Haus gemalt hat – nicht, weil es hübsch ist, sondern weil es ehrlich ist.

Und manchmal ist Ehrlichkeit das Mutigste, was ein Kind tun kann.

RIP „Helmut“

Abschied von einem stillen Begleiter

Am 4. März 2026 wurde mein Stiefvater auf dem Friedhof in Ober‑Rodenbach beigesetzt. Ich stand dort und dachte zurück – nicht an große gemeinsame Momente, sondern an die vielen Jahre, in denen er einfach da war.

Als Kind hatte ich kein wirkliches Verhältnis zu ihm. Er war der Mann meiner Mutter, und ich tat, was Kinder manchmal tun: Ich ignorierte ihn. Er war da, aber fremd – ein Teil des Hauses, nicht meines Herzens.

Später, als ich selbst Mutter war, bekam er eine neue Rolle. Für meine Kinder war er ihr Opa. Und wenn er gebraucht wurde, war er da – ohne viele Worte, ohne Bedingungen.

Auch für seine Urenkel war er dieser stille, verlässliche Mensch. Kein Held, kein Mittelpunkt – aber jemand, auf den man sich verlassen konnte.

Es war traurig zu sehen, dass mein Sohn ihm nicht einmal die letzte Ehre erwiesen hat. Vielleicht, weil man manchmal erst zu spät erkennt, dass Verlässlichkeit auch Liebe ist. Nicht laut, nicht glänzend – aber echt.

Ich habe an diesem Tag Abschied genommen von einem Menschen, der nie viel gesagt hat, aber viel getan. Und vielleicht ist das die stillste, ehrlichste Form von Nähe, die es gibt.

 

 

 

 

 

Von 110 Quadratmetern auf 40

– und trotzdem stark geblieben.

Manchmal verändert sich das Leben nicht in großen Schritten, sondern in Quadratmetern. Ich bin von 110 qm — meinem Zuhause, meinem Raum, meiner Freiheit — in einen 40‑qm‑Hobbyraum gezogen. Nicht, weil ich kleiner wohnen wollte. Nicht, weil ich es gemütlicher haben wollte. Sondern weil ich dachte, ich tue das Richtige.

Ich wollte für Daniel da sein. Ich wollte helfen, unterstützen, auffangen. Ich dachte, wir schaffen das gemeinsam. Ich wusste ja nicht, was passieren würde.

Und jetzt sitze ich hier unten, in einem Raum, der eigentlich nie als Wohnung gedacht war. Ein Raum, der zu klein ist für meine Dinge, zu eng für meine Gedanken und zu laut für meine Ruhe — weil über mir ein Chaos tobt, das ich nie bestellt habe.

Manchmal fühlt es sich an, als würde die Luft dünner, je länger ich hier bin. Nicht, weil 40 Quadratmeter zu wenig sind. Sondern weil ich weiß, dass ich mich verkleinert habe, um Platz zu schaffen für Menschen, die nicht einmal merken, was ich dafür aufgegeben habe.

Ich habe Raum abgegeben, um Herz zu zeigen. Ich habe Freiheit abgegeben, um Verantwortung zu übernehmen. Ich habe mich verkleinert, damit andere größer sein können.

Und heute? Heute atme ich manchmal schwer in diesem kleinen Raum. Aber ich weiß auch: Ich habe aus Liebe gehandelt. Aus Verantwortung. Aus Stärke.

Und auch wenn es sich eng anfühlt — ich bin nicht klein geworden. Ich bin nur näher an mich selbst gerückt.

17.Dez.2025

17.Dez.2025

Es war einer dieser klaren, kalten Dezembertage. Ich war bei meiner Tochter, und wir standen zu dritt im Schlafzimmer am Fenster: sie, ich und Mara – 11 Jahre alt, ruhig, aufmerksam, schon fast jugendlich in ihrer Art. Von dort aus konnten wir direkt in den Garten sehen, auf das Trampolin von Kevin und seiner Familie.

Daniel und Jay waren draußen und sprangen herum, lachten, machten Quatsch.
Und dann passierte es – plötzlich, ohne ein Wort, ohne jede Vorwarnung.

Jay sprang Daniel von hinten voll in die Knie. Einfach so. Daniel sackte zusammen, fing an zu weinen, und in mir zog sich alles zusammen. Meine Tochter sah mich an und sagte nur: „Mama, hast du’s gesehen? Das macht er öfter.“ Und ich dachte: Ja. Und es tut jedes Mal weh, das mit anzusehen.

Ich öffnete das Fenster und rief hinaus – ruhig, klar, ohne Anschreien: „Jay, hör bitte damit auf. Du tust Daniel weh. Lass das.“

Daniel schaute hoch, wischte sich die Tränen weg und wirkte erleichtert. Er winkte sogar. Ein kleiner Moment, der mir zeigte, dass er sich gesehen fühlte.

Etwa eine Viertelstunde später stand ich draußen am Auto und holte etwas aus dem Kofferraum. Da sah ich, wie Jay ins Haus lief – weinend. Und sofort war dieses bekannte Gefühl da: Was wird jetzt daraus gemacht?

Drinnen hörte ich Stimmen, eine Diskussion im Flur. Meine Tochter erklärte meiner Schwiegertochter, dass ich Jay nicht angeschrien hatte. Dass wir alle gesehen hatten, was passiert war. Dass ich nur eingegriffen hatte, weil Daniel verletzt wurde. So, wie es jeder Erwachsene tun würde.

Stunden später kam mein Sohn von der Arbeit. Ich war in meinem Zimmer, als ich hörte, wie er die Treppe herunterpolterte. Ich hatte meine Tür abgeschlossen – aus Selbstschutz. Weil ich nie weiß, in welcher Stimmung er ist. Weil ich nie weiß, ob er wieder ohne Anklopfen hereinstürmt und mich anschreit.

Er trommelte gegen die Tür. Ich wartete. Atmete. Dann schloss ich auf.

Er explodierte. Worte, die weh tun. Worte, die ich schon zu oft gehört habe. Ich nahm es auf – nicht aus Bosheit, sondern weil ich inzwischen gelernt habe, dass ich mich schützen muss. Meine Tochter kam herunter, stellte sich neben mich. Sie sagte später: „Mama, ich bin sofort runter, weil ich nicht wusste, wie er reagiert.“

Und das sagt eigentlich alles.

Bevor er ging, schlug er noch mit voller Wucht auf einen Schrank. Ich stand da, innerlich zitternd, äußerlich ruhig. Wie so oft,

Nachtrag:

Ich habe zwei Tage darüber nachgedacht. Zwei Tage, in denen ich mich gefragt habe, ob ich übertreibe, ob ich still sein sollte, ob ich einfach wieder schlucke, wie ich es so oft getan habe.

Aber dann habe ich es getan: Ich bin zur Polizei gegangen und habe eine Anzeige gemacht.

Nicht, weil ich will, dass mein eigener Sohn vor Gericht landet. Sondern weil ich endlich etwas brauche, das mich schützt. Etwas, das festhält, was hier passiert. Etwas, das da ist, falls er eines Tages wirklich komplett ausrastet.

Ich muss mir nicht alles gefallen lassen. Ich darf Grenzen haben. Ich darf mich schützen.

Und vielleicht ist das der erste Schritt, den ich viel früher hätte gehen sollen.

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