Hier einmal in ganz persönlicher eigener Sache:

Ich schreibe offen über mein Leben, weil meine Sicht sonst niemand erzählt. Meine Beiträge sind öffentlich — und es ist völlig in Ordnung, wenn auch das Jugendamt mitliest. Ich nenne keine Namen, keine Schuldigen. Ich schreibe über ME/CFS, über Liebe, über Verlust und darüber, wie Entscheidungen manchmal weh tun. Gefühle sind keine Straftat. Meine Wahrheit auch nicht.

Juli 2021

Juli 2021

Der Juli 2021…

…. fing eigentlich ganz normal an. Nichts deutete darauf hin, dass dieser Monat später wie ein Wendepunkt wirken würde.

1. Juli – Donnerstag

Eine WhatsApp‑Nachricht von meiner Schwiegertochter : „Kommst du 19.00 Uhr hoch?“

Natürlich ging ich hoch. Damit sie und mein Sohn zum Elternabend im Kindergarten konnten. Ich brachte die zwei Jungs ins Bett — alles war ruhig, vertraut, wie immer. Nichts Besonderes. Alles war gut.

2. Juli – Freitag

Ich holte die Jungs wie so oft aus dem Kindergarten ab. Sie spielten nach dem Kindergarten noch bei mir, wie meistens. Erst als meine Schwiegertochter sie zum Essen rief, gingen sie hoch. Alles lief wie gewohnt.

5. Juli – Montag

Um 6:39 Uhr kam eine Nachricht von ihr: „Die Jungs sind krank.“

Für mich war das völlig in Ordnung — ich selbst lag mit Fieber, Kopfschmerzen und Grippesymptomen flach. Ich hätte sie sowieso nicht fahren können.

6. Juli – Dienstag

Neue Nachricht: „Jungs sind fit, aber Kev und ich liegen flach.“

Mir ging es inzwischen noch schlechter. Ich konnte die Jungs nicht fahren, nicht helfen, nicht einmal richtig aufstehen. Aber das wusste niemand — denn niemand fragte nach.

11. Juli – Sonntag

Ich hatte die ganze Woche mit einer heftigen Grippe im Bett verbracht. Kein Besuch. Keine Nachfrage. Kein „Wie geht’s dir?“. Wir wohnen im selben Haus — ein paar Schritte hätten gereicht, um zu sehen, wie es mir geht. Aber niemand kam.

Dann eine Nachricht von meiner Schwiegertochter: „Wir sind wieder fit. Fahren wir morgen in den Kindergarten?“

Ich antwortete, dass das nicht möglich sei — ich war noch immer völlig am Ende. Ihre Rückfrage: „Ohje, was hast du denn?“

Ich konnte nur schreiben: „Ist die Frage ernst gemeint?“

13. Juli – Dienstag

Ich besuchte meine Mutter. Sie gab mir eine Geburtstagskarte für meine Schwiegertochter — mit 100 Euro — und bat mich, sie ihr zu geben.

Ich schrieb ihr, dass ich ein Geschenk für sie hätte und sie es abholen könne. Sie meinte, sie komme vorbei, wenn es ihr besser gehe. Gekommen ist aber nicht sie — sondern mein Sohn. Er nahm die Karte und ging wieder.

Danach: Stille. Keine Nachricht. Keine Frage. Keine Jungs.

28. Juli – Mittwoch

Gegen 11 Uhr ging ich hoch, um die Jungs zum Spielen in den Garten zu holen. Ich wollte auch fragen, wie es mit dem Kindergarten weitergeht.

meine Schwiegertochter öffnete die Tür — ließ mich aber nicht hinein. Nur ein kurzer Satz: „Nein, sie bleiben bei mir.“

Kurz darauf schrieb mein Sohn: „Wenn die sie sagt, es passt nicht, dann passt es nicht.“

Das war der Moment, in dem ich spürte, dass sich etwas verändert hatte. Nicht laut. Nicht offen. Aber deutlich.

Danach

Ich sah die Jungs nur noch, wenn sie im Garten waren. Danny rief mir manchmal durchs Fenster zu, dass sie draußen seien. Wir übten Schwimmen im Pool, lachten, hatten unsere kleinen Momente — Momente, die niemand verhindern konnte.

Aber von oben kam keine einzige Frage mehr. Nicht nach dem Kindergarten. Nicht nach mir. Nicht nach uns.

Ich ließ sie in Ruhe. Vielleicht, weil ich hoffte, dass sich alles wieder einrenkt.

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