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Hier einmal in ganz persönlicher eigener Sache:

Ich schreibe offen über mein Leben, weil meine Sicht sonst niemand erzählt. Meine Beiträge sind öffentlich — und es ist völlig in Ordnung, wenn auch das Jugendamt mitliest. Ich nenne keine Namen, keine Schuldigen. Ich schreibe über ME/CFS, über Liebe, über Verlust und darüber, wie Entscheidungen manchmal weh tun. Gefühle sind keine Straftat. Meine Wahrheit auch nicht.

Wenn der Alltag plötzlich zu groß wird

Wenn der Alltag plötzlich zu groß wird

Gestern war einer dieser Tage, an denen ich eigentlich nur „normal“ sein wollte. Eine schöne Runde mit meinen zwei Hundedamen – die beiden haben wie immer getan, als wären wir auf einer Expedition ins Unbekannte. Danach dachte ich: Komm, schnell noch in den Netto, ein paar Sachen holen. Nichts Wildes. Nichts, was man planen müsste. Einfach Alltag.

Und dann stand ich an der Kasse und mein Körper hat beschlossen, dass Alltag heute nicht drin ist.

Es kam völlig überraschend. Erst dieses komische Schwanken, dann wurde mir heiß, als hätte jemand eine Wärmelampe direkt in meinen Kopf gehalten. Mir wurde schlecht, mein Kreislauf verabschiedete sich kommentarlos, und ich hatte dieses ganz klare Gefühl: „Ich kippe gleich um.“ Nicht dramatisch, nicht filmreif – einfach körperlich komplett am Limit.

Ich habe den Einkauf irgendwie ins Auto gebracht. Zuhause bin ich direkt ins Bett gefallen und eingeschlafen. Nicht, weil ich müde war, sondern weil mein Körper mich einfach ausgeschaltet hat. Wie ein Computer, der sagt: „Systemüberlastung. Neustart erforderlich.“

Was mich wirklich beschäftigt: Es passiert immer öfter. Immer schneller. Dinge, die früher selbstverständlich waren, fühlen sich heute an wie kleine Bergbesteigungen. Und ich merke, wie meine Belastbarkeit Stück für Stück schrumpft, als würde jemand heimlich die Grenzen enger ziehen.

Ich schreibe das nicht, um Mitleid zu bekommen. Ich schreibe es, weil ich weiß, dass viele von uns solche Momente haben – diese stillen Zusammenbrüche mitten im Alltag, die man niemandem zeigen will. Aber sie sind real. Und sie gehören ausgesprochen.

Manchmal sagt der Körper „Stopp“, auch wenn der Kopf noch „Weiter“ ruft. Gestern war so ein Tag.

ME/CFS und die Augen: Warum Sehstörungen real sind – auch wenn die Befunde „normal“ aussehen

ME/CFS und die Augen: Warum Sehstörungen real sind – auch wenn die Befunde „normal“ aussehen

Ich habe in den letzten Jahren etwas erlebt, das viele Menschen mit ME/CFS nur zu gut kennen: Ich war bei drei Augenärzten und vier Optikern. Jedes Mal bekam ich komplett unterschiedliche Werte. Mal war die Hornhautverkrümmung angeblich stark, mal kaum vorhanden. Mal brauchte ich laut Messung eine deutliche Korrektur, mal fast gar keine. Das Ergebnis: Ich habe bis heute keine Brille, die mir wirklich hilft.

Und genau das zeigt ein Kernproblem: Die Augen wirken gesund, aber sie funktionieren nicht gesund.

Nach aktuellem Forschungsstand liegt bei ME/CFS keine klassische Schädigung des Sehnervs vor – also keine Neurodegeneration wie bei MS oder Glaukom. Die Struktur bleibt meist intakt. Trotzdem sind die visuellen Einschränkungen massiv und organisch erklärbar.

Was im Körper passiert – und warum die Augen so überfordert sind

Gestörte Durchblutung

ME/CFS geht mit einem reduzierten zerebralen Blutfluss einher. Das betrifft auch die Netzhautgefäße. Einige Kliniken, darunter die Augenklinik Erlangen, untersuchen genau diese Mikrozirkulationsstörungen. Wenn die Durchblutung nicht stimmt, arbeitet das visuelle System wie ein Computer mit zu wenig Strom: Es läuft, aber nicht zuverlässig.

Mitochondriale Erschöpfung

Sehen ist Hochleistungssport für die Zellen. Die Augenmuskeln, die Netzhaut und der visuelle Kortex brauchen extrem viel Energie. Bei ME/CFS ist die ATP-Produktion gestört – und das führt zu schneller visueller Ermüdung, Fokussierungsproblemen und dem Gefühl, dass die Augen „nicht mehr können“.

Neuroinflammation

Chronisch aktivierte Mikroglia im Gehirn stören die Signalweiterleitung. Das bedeutet: Die Augen senden zwar Informationen, aber das Gehirn kann sie nicht sauber verarbeiten. Das Ergebnis ist ein überforderter, flimmernder oder verzögerter Seheindruck.

PEM durch visuelle Belastung

Was viele unterschätzen: Auch Sehen ist Anstrengung. Bildschirmarbeit, Lesen oder längere Konzentration können einen Crash auslösen. Ich selbst merke das sofort – ein paar Minuten zu viel am Monitor, und der Körper fährt runter.

Typische visuelle Symptome bei ME/CFS

Studien, u. a. aus Antwerpen, zeigen, dass die visuellen Probleme messbar sind – auch wenn die Standard-Augenuntersuchung oft unauffällig bleibt:

  • Akkommodationsstörungen: Der Wechsel zwischen Nah- und Fernsicht dauert länger oder klappt gar nicht richtig.
  • Reduzierte Konvergenz: Die Augen arbeiten nicht synchron, Doppelbilder oder Unschärfen entstehen.
  • Fotophobie: Licht wird zu Schmerz, Bildschirme zu Folter.
  • Verschwommenes Sehen: Besonders nach Belastung oder am Ende des Tages.
  • Visuelles Schneien: Flimmern, Nachbilder, ein „grieseliger“ Sichtfilm.

Warum die unterschiedlichen Brillenwerte kein Zufall sind

Wenn die Augenmuskeln erschöpft sind, die Durchblutung schwankt und das Gehirn die Signale nicht stabil verarbeitet, dann ist jede Messung eine Momentaufnahme.

An einem guten Tag kann die Sehstärke ganz anders aussehen als an einem schlechten. Genau das habe ich erlebt: Sieben Messungen, sieben Ergebnisse.

Für Optiker wirkt das, als würde man „zappeln“ oder „nicht richtig mitmachen“. In Wahrheit ist es ein typisches ME/CFS-Phänomen: Das visuelle System ist instabil, weil der Energiestoffwechsel instabil ist.

Fazit: Die Augen sind nicht „in Ordnung“, nur weil sie gesund aussehen

ME/CFS verursacht keine strukturelle Schädigung des Sehnervs – aber es beeinträchtigt die Funktion des visuellen Systems auf mehreren Ebenen. Die Sehstörungen sind real, organisch erklärbar und ein wichtiger Teil des Krankheitsbildes.

Und ja: Es ist frustrierend, wenn man trotz sieben Messungen keine passende Brille bekommt. Aber es ist kein persönliches Versagen und kein „psychisches Problem“. Es ist ME/CFS.

Manchmal sieht man an kleinen Momenten, wie festgefahren Menschen sein können.

Manchmal sieht man an kleinen Momenten, wie festgefahren Menschen sein können.

Ich wollte meinem Enkel nur frische Trauben aus dem Garten meiner Mutter bringen. Nichts Großes, nichts Dramatisches – einfach eine kleine Freude für ein Kind.

Und trotzdem wurde nicht geöffnet.

Er weiß genau, dass sich mein Enkel sich darüber freuen würde. Er weiß genau, dass ich nichts Böses will. Und trotzdem blockt er.

Das ist nicht normal. Das ist nicht gesund. Es ist das Verhalten von jemandem, der sich in einer kontrollierenden Rolle eingerichtet hat und nicht mehr herausfindet.

Ich mache weiter meinen Weg – ruhig, klar, respektvoll. Aber solche Momente sprechen für sich.

Mein Depeche‑Mode‑Tag – und warum er sich anfühlt wie Heimkommen

Mein Depeche‑Mode‑Tag – und warum er sich anfühlt wie Heimkommen

Heute bin ich wieder komplett auf meinem Depeche‑Mode‑Trip. So richtig. Mit allem drum und dran.

Ich sitze hier, schaue mir ein Livekonzert nach dem anderen auf YouTube an, und während Dave Gahan über die Bühne schwebt wie ein dunkler Engel, bastle ich nebenbei an meinen neuen Ohrringen, die ich mit UV‑Resin gegossen habe. Multitasking auf Petra‑Art.

Und während ich da so sitze, merke ich wieder, wie sehr mich diese Band seit 1981 begleitet. Seit ich Fan bin – und das ist inzwischen ein ganzes Leben.

Depeche Mode ist für mich nicht einfach Musik. Es ist ein Zeitstrahl.

Jedes Album, jeder Song, jedes Konzert verbindet sich mit irgendeinem Moment meines Lebens. Mit Menschen, die da waren. Mit Menschen, die gegangen sind. Mit Entscheidungen, die ich getroffen habe. Mit Dingen, die ich überlebt habe.

Manchmal denke ich: Wenn man mein Leben als Playlist hören würde, wäre mindestens die Hälfte davon Depeche Mode.

Und heute ist wieder so ein Tag, an dem ich mich einfach in diese Welt fallen lasse. In die Synths, die dunklen Beats, die Melancholie, die Energie. In dieses Gefühl von „Ich bin nicht allein, ich bin Teil von etwas Größerem“.

Während ich meine Ohrringe aushärten lasse, läuft ein Konzert von 1993. Ich kenne jede Bewegung, jede Geste, jeden Ton. Und trotzdem fühlt es sich jedes Mal neu an.

Vielleicht, weil Depeche Mode für mich immer ein Stück Heimat war. Ein Ort, an den ich zurückkehren kann, egal wie chaotisch das Leben gerade ist. Ein Sound, der mich sortiert, beruhigt, auflädt – je nachdem, was ich gerade brauche.

Heute brauche ich einfach dieses Gefühl von „Ich bin wieder ich“. Und genau das gibt mir diese Musik.

Also sitze ich hier, zwischen UV‑Resin, Glitzerpigmenten, YouTube‑Konzerten und Erinnerungen – und denke: Manchmal reicht ein Depeche‑Mode‑Tag, um sich wieder zu spüren.

Ein Knoten, der mir zu denken gab

Ein Knoten, der mir zu denken gab

Gestern hatte ich einen dieser kurzen Momente, die einen lange beschäftigen. Ich sah meinen Enkel – 8½ Jahre alt – wie er mit seinem Stiefbruder im Pool spielte. Beide lachten, plantschten, hatten ihren Spaß. Ein ganz normaler Sommertag.

Am Rand saß seine Stiefmutter, halb hinter der Schuppentür versteckt, vertieft in ihr Handy. Nichts Ungewöhnliches, leider.

Dann fiel mein Blick auf die Badehose meines Enkels. Sie rutschte immer weiter nach unten. Also rief ich ihm zu: „Bind sie mal zu, sonst rutscht sie dir gleich ins Wasser.“

Er sah mich an – dieser Blick, der mir sofort sagte, dass etwas nicht stimmt – und sagte leise: „Ich kann das nicht.“

Ein Kind in der 3. Klasse sollte eigentlich einen einfachen Knoten binden können. Das gehört zu den kleinen Alltagsfähigkeiten, die man normalerweise früh lernt. Nicht perfekt, nicht schön – aber irgendwie.

Also habe ich mich kurz zu ihm gestellt und mit ihm geübt. Keine fünf Minuten später konnte er es. Ganz einfach. Ganz stolz.

Und genau da hat es mich getroffen. Nicht, weil er es vorher nicht konnte. Sondern weil ihm solche grundlegenden Dinge niemand zeigt. Weil diese kleinen Momente, in denen ein Kind Anleitung braucht, einfach fehlen. Momente, die nichts kosten außer Zeit und Aufmerksamkeit.

Als ich wieder ins Haus ging, war ich ehrlich gesagt auf 180. Nicht aus Wut auf ihn – im Gegenteil. Sondern weil ich sehe, wie viel Potenzial in diesem Kind steckt, und wie wenig davon gefördert wird.

Manchmal sind es nicht die großen Dinge, die fehlen. Sondern die kleinen. Ein Knoten. Eine Schleife. Ein „Komm, ich zeig dir das.“

Und genau diese Kleinigkeiten machen den Unterschied im Leben eines Kindes.

„Endlich Glasfaser – und plötzlich ist das Internet erwachsen“

Es gibt im Leben diese kleinen Meilensteine, die man nicht vergisst: der erste Kaffee am Morgen, der Moment, in dem man feststellt, dass die Waschmaschine doch noch lebt – und natürlich der Tag, an dem endlich die Glasfaser leuchtet.

13. August 2026, 14:12 Uhr. Ein Datum, das ich mir fast in den Kalender eintragen möchte. Nach Jahren des Wartens, Hoffens, Fluchens und „Warum ist das WLAN schon wieder weg?“ zeigt meine Fritzbox nun stolz: WAN verbunden – 1 Gbit/s. Und ich sage es, wie es ist: Ich habe mich gefreut wie ein kleines Kind, das zum ersten Mal eine eigene Packung Gummibärchen bekommt.

Was sich jetzt ändert?

  • Webseiten laden nicht mehr – sie teleportieren.
  • Updates fühlen sich plötzlich nicht mehr wie ein Umzug an.
  • Videotelefonie mit der Familie läuft ohne Standbild, Roboterstimme oder „Moment, ich glaube, du bist eingefroren“.
  • Und mein Blog? Der kann jetzt so schnell laden, dass selbst Oma Fuchsia staunen würde.

Warum das für mich so besonders ist

Wer hier mitliest, weiß: Mein Haushalt ist ein kleines Netzwerk-Abenteuer. Mehrere Parteien, unterschiedliche Bedürfnisse, und eine gewisse… sagen wir mal… familiäre Dynamik, die nicht immer technikfreundlich ist. Glasfaser bedeutet für mich nicht nur Geschwindigkeit, sondern auch Ruhe im System. Weniger Streit um Bandbreite, weniger „Dini, das Internet geht nicht“, weniger Chaos.

Der Blick auf die Fritzbox

Ich gebe zu: Ich habe den Statusbildschirm mehrfach angeschaut. WAN grün. DSL grau. LAN grau. USB grau. Und ich? Glücklich.

Es ist ein bisschen wie ein frisch geputztes Wohnzimmer: Man weiß, es bleibt nicht ewig so, aber dieser Moment ist einfach schön.

Fazit

Glasfaser ist da. Ich bin glücklich. Und das Internet fühlt sich endlich so an, wie es immer versprochen wurde.

Wenn Nähe schwer wird – und warum ich nicht mehr für alle da bin

Wenn Nähe schwer wird – und warum ich nicht mehr für alle da bin

Ich war immer unabhängig. Ich habe mein Leben getragen, Entscheidungen getroffen, ohne mich klein zu fühlen. Und dann stehe ich plötzlich in einer Familiendynamik, in der ich behandelt werde, als wäre ich eine nervige Mutter, die „zu viel“ ist. Das tut weh – und es weckt alte Gefühle. Dieses Gefühl, nicht mehr durchzukommen. Dieses Gefühl, vor einer verschlossenen Tür zu stehen.

Wenn Kinder abblocken, fühlt es sich schnell so an wie früher in Beziehungen, in denen man sich bemüht hat und trotzdem nicht durchgedrungen ist. Aber heute ist es nicht Macht, sondern Überforderung. Sie stecken in ihren eigenen Konflikten, ihren eigenen Rollen. Das sagt etwas über sie – nicht über meinen Wert.

Was ich daraus gelernt habe: Ich will nicht mehr diejenige sein, die immer verfügbar ist. Nicht mehr die Allzweck-Anlaufstelle. Nicht mehr die Mutter, die alles auffängt.

Ich kümmere mich um mein Leben, meine Ruhe, meine Unabhängigkeit. Wenn wir uns begegnen, gut. Aber ich bin nicht mehr ständig da.

Das ist keine Kälte. Das ist Klarheit. Und es ist der Moment, in dem ich mir selbst wieder gehöre.

Wenn das WLAN streikt und die Kreativität übernimmt

Wenn das WLAN streikt und die Kreativität übernimmt

Es nervt. Seit Monaten spinnt die Internetverbindung, die Fritzbox lässt mich nicht ins WWW, und ich sitze hier wie in der digitalen Steinzeit. Am 12. August ist endlich Schluss damit – dann bekomme ich meinen eigenen Glasfaseranschluss. Halleluja.

So ganz ohne Musik, TV und Internet ist das Leben erstaunlich langatmig, besonders wenn die körperliche Energie gerade mal dafür reicht, sich einen Kaffee zu machen. Man merkt erst, wie viel Alltag an diesem kleinen unsichtbaren Datenstrom hängt.

Zwischendurch hatte ich mal kurz Internet übers Handy – und was macht man als erstes? Genau: shoppen. Ich hab mir UV-Resin bestellt. Wollte ich schon immer ausprobieren. Und jetzt hat mich das Fieber gepackt. Es macht total Spaß, ist kreativ, und man braucht kaum Platz. Perfekt für Tage, an denen der Körper Pause macht, aber der Kopf trotzdem etwas Schönes erschaffen will.

Vielleicht ist das ja die gute Seite an der ganzen Internetmisere: Man entdeckt Dinge, die man sonst immer vor sich hergeschoben hat. Und bis der Glasfaseranschluss endlich läuft, glitzert es hier eben weiter aus der Resin-Ecke.

Die Wahrheit ist manchmal laut, auch wenn man sie leise sagt

Die Wahrheit ist manchmal laut, auch wenn man sie leise sagt

Es gibt Menschen, die erzählen Geschichten.
Und es gibt Menschen, die erzählen die Wahrheit.

Ich gehöre zu denen, die die Wahrheit sagen.
Nicht, weil ich mutig bin.
Nicht, weil ich provozieren will.
Nicht, weil ich mich über andere stelle.
Sondern weil ich es nicht anders kann.

Ich habe nie gelernt, mich in Fantasien einzufügen. Ich habe nie gelernt, Dinge zu verdrehen, damit sie besser klingen. Ich habe nie gelernt, mich selbst zu verstecken, damit andere sich wohler fühlen.

Ich sage, was ist. Und ich sage, was war. Und ich sage, was ich sehe.

Für manche Menschen ist das befreiend. Für andere ist es eine Bedrohung.

Ich habe erlebt, wie Menschen auf meine Ehrlichkeit reagieren, als wäre sie ein Angriff. Als würde die Wahrheit etwas zerstören, das sie mühsam zusammenhalten. Als würde ein klarer Satz ein ganzes Kartenhaus zum Einsturz bringen.

Manchmal reicht ein Wort, und plötzlich wird man zur „Ursache“ erklärt. Zur „Gefahr“. Zum „Problem“. Zum „Feind“.

Nicht, weil man etwas getan hat. Sondern weil man etwas nicht getan hat: Man hat nicht mitgespielt.

Ich habe erlebt, wie sich Familiensysteme verschieben, wenn neue Menschen hineinkommen, die ihre eigene Geschichte mitbringen. Menschen, die verletzt wurden. Menschen, die Angst haben. Menschen, die gelernt haben, dass Nähe gefährlich ist. Menschen, die Feindbilder brauchen, um sich sicher zu fühlen.

Und plötzlich steht man da — mitten in einer Geschichte, die nicht die eigene ist. Man wird zur Projektionsfläche für Ängste, die man nicht ausgelöst hat. Zur Erklärung für Probleme, die man nicht verursacht hat. Zum Symbol für etwas, das man nicht verkörpert.

Ich habe gelernt, dass Ehrlichkeit nicht immer willkommen ist. Nicht in Systemen, die auf Angst gebaut sind. Nicht in Beziehungen, die von Unsicherheit leben. Nicht in Konstellationen, in denen Menschen sich selbst schützen müssen, indem sie andere angreifen.

Aber ich habe auch gelernt, dass ich mich nicht ändern muss.

Ich werde weiter sagen, was ist. Ich werde weiter klar bleiben. Ich werde weiter gerade stehen. Ich werde weiter meine Wahrheit sprechen — leise, aber deutlich.

Denn ich habe nichts zu verstecken. Ich habe nichts zu verdrehen. Ich habe nichts zu beschönigen. Ich habe nichts zu erfinden.

Ich habe nur mein Leben. Und meine Worte. Und meine Haltung.

Und die bleibt.

 

Wenn sich ein Familiensystem plötzlich verschiebt

Wenn sich ein Familiensystem plötzlich verschiebt

Es gibt Momente im Leben, in denen man spürt, dass sich etwas im eigenen Familiensystem verändert hat. Nicht laut, nicht sichtbar, sondern wie ein leiser Riss, der sich langsam durch Beziehungen zieht, die früher selbstverständlich waren.

Ich habe so einen Moment erlebt.

Über Jahre war die Beziehung zu meinem erwachsenen Kind stabil. Wir hatten unsere Höhen und Tiefen, wie jede Familie, aber der Kontakt war klar, respektvoll, warm. Mein Kind lebte früh selbstständig, in Wohngemeinschaften, später in einer Partnerschaft, und ich war nie Teil eines Konflikts. Ich war einfach da — als Mutter, als sicherer Ort, als jemand, der nicht drängte und nicht forderte.

Und dann kam ein neuer Mensch in sein Leben.

Nicht plötzlich, aber spürbar veränderte sich die Dynamik. Es war, als hätte jemand die Rollen neu verteilt, ohne dass ich gefragt wurde. Aus einer stabilen Beziehung wurde eine fragile Konstruktion, in der ich auf einmal die Figur war, die man misstrauisch beäugt. Diejenige, die angeblich „Einfluss nimmt“, „schadet“, „verantwortlich ist“ für Dinge, die ich weder ausgelöst noch verursacht habe.

Ich wurde zur Projektionsfläche.

Nicht, weil ich etwas getan hätte. Sondern weil jemand Neues in das Familiensystem kam, der selbst eine lange Geschichte von Verletzungen, Angst und Kontrollverlust mitbrachte. Ein Mensch, der gelernt hat, dass Nähe gefährlich sein kann. Dass man sich schützen muss. Dass man Feindbilder braucht, um sich sicher zu fühlen.

Und plötzlich war ich dieses Feindbild.

Es ist erstaunlich, wie schnell sich ein System verschieben kann, wenn jemand mit traumatischen Erfahrungen darin auftaucht. Alte Muster wiederholen sich: Schwarz-Weiß-Denken, Misstrauen, Überempfindlichkeit, das Bedürfnis nach absoluter Loyalität. Und wer nicht in dieses Muster passt, wird zur Gefahr erklärt — selbst wenn man nur still danebensteht.

Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, dass diese Veränderung nichts mit mir zu tun hat. Nicht mit meinem Verhalten. Nicht mit meiner Geschichte. Nicht mit meiner Rolle als Mutter.

Es ist ein Mechanismus, der entsteht, wenn ein verletzter Mensch versucht, Kontrolle über sein Leben zurückzugewinnen. Und manchmal bedeutet das, dass jemand anderes zur „Ursache“ erklärt wird — selbst wenn es objektiv nicht stimmt.

Ich habe gelernt, dass man nicht jede Rolle annimmt, die einem zugeschrieben wird. Ich habe gelernt, dass man nicht jede Schuld trägt, die jemand auf einen projiziert. Und ich habe gelernt, dass man sich selbst treu bleiben muss, auch wenn andere einen in eine Geschichte schreiben, die nicht die eigene ist.

Familie ist kompliziert. Menschen sind kompliziert. Trauma ist kompliziert.

Aber ich weiß heute: Ich bin nicht die Katastrophe. Ich bin nicht die Ursache. Ich bin nicht das Problem.

Ich bin die Person, die stabil geblieben ist, während andere in ihren eigenen Stürmen kämpfen.

Und manchmal ist das alles, was man sein kann.

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