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Ich schreibe offen über mein Leben, weil meine Sicht sonst niemand erzählt. Meine Beiträge sind öffentlich — und es ist völlig in Ordnung, wenn auch das Jugendamt mitliest. Ich nenne keine Namen, keine Schuldigen. Ich schreibe über ME/CFS, über Liebe, über Verlust und darüber, wie Entscheidungen manchmal weh tun. Gefühle sind keine Straftat. Meine Wahrheit auch nicht.

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ME/CFS und die Augen: Warum Sehstörungen real sind – auch wenn die Befunde „normal“ aussehen

Ich habe in den letzten Jahren etwas erlebt, das viele Menschen mit ME/CFS nur zu gut kennen: Ich war bei drei Augenärzten und vier Optikern. Jedes Mal bekam ich komplett unterschiedliche Werte. Mal war die Hornhautverkrümmung angeblich stark, mal kaum vorhanden. Mal brauchte ich laut Messung eine deutliche Korrektur, mal fast gar keine. Das Ergebnis: Ich habe bis heute keine Brille, die mir wirklich hilft.

Und genau das zeigt ein Kernproblem: Die Augen wirken gesund, aber sie funktionieren nicht gesund.

Nach aktuellem Forschungsstand liegt bei ME/CFS keine klassische Schädigung des Sehnervs vor – also keine Neurodegeneration wie bei MS oder Glaukom. Die Struktur bleibt meist intakt. Trotzdem sind die visuellen Einschränkungen massiv und organisch erklärbar.

Was im Körper passiert – und warum die Augen so überfordert sind

Gestörte Durchblutung

ME/CFS geht mit einem reduzierten zerebralen Blutfluss einher. Das betrifft auch die Netzhautgefäße. Einige Kliniken, darunter die Augenklinik Erlangen, untersuchen genau diese Mikrozirkulationsstörungen. Wenn die Durchblutung nicht stimmt, arbeitet das visuelle System wie ein Computer mit zu wenig Strom: Es läuft, aber nicht zuverlässig.

Mitochondriale Erschöpfung

Sehen ist Hochleistungssport für die Zellen. Die Augenmuskeln, die Netzhaut und der visuelle Kortex brauchen extrem viel Energie. Bei ME/CFS ist die ATP-Produktion gestört – und das führt zu schneller visueller Ermüdung, Fokussierungsproblemen und dem Gefühl, dass die Augen „nicht mehr können“.

Neuroinflammation

Chronisch aktivierte Mikroglia im Gehirn stören die Signalweiterleitung. Das bedeutet: Die Augen senden zwar Informationen, aber das Gehirn kann sie nicht sauber verarbeiten. Das Ergebnis ist ein überforderter, flimmernder oder verzögerter Seheindruck.

PEM durch visuelle Belastung

Was viele unterschätzen: Auch Sehen ist Anstrengung. Bildschirmarbeit, Lesen oder längere Konzentration können einen Crash auslösen. Ich selbst merke das sofort – ein paar Minuten zu viel am Monitor, und der Körper fährt runter.

Typische visuelle Symptome bei ME/CFS

Studien, u. a. aus Antwerpen, zeigen, dass die visuellen Probleme messbar sind – auch wenn die Standard-Augenuntersuchung oft unauffällig bleibt:

  • Akkommodationsstörungen: Der Wechsel zwischen Nah- und Fernsicht dauert länger oder klappt gar nicht richtig.
  • Reduzierte Konvergenz: Die Augen arbeiten nicht synchron, Doppelbilder oder Unschärfen entstehen.
  • Fotophobie: Licht wird zu Schmerz, Bildschirme zu Folter.
  • Verschwommenes Sehen: Besonders nach Belastung oder am Ende des Tages.
  • Visuelles Schneien: Flimmern, Nachbilder, ein „grieseliger“ Sichtfilm.

Warum die unterschiedlichen Brillenwerte kein Zufall sind

Wenn die Augenmuskeln erschöpft sind, die Durchblutung schwankt und das Gehirn die Signale nicht stabil verarbeitet, dann ist jede Messung eine Momentaufnahme.

An einem guten Tag kann die Sehstärke ganz anders aussehen als an einem schlechten. Genau das habe ich erlebt: Sieben Messungen, sieben Ergebnisse.

Für Optiker wirkt das, als würde man „zappeln“ oder „nicht richtig mitmachen“. In Wahrheit ist es ein typisches ME/CFS-Phänomen: Das visuelle System ist instabil, weil der Energiestoffwechsel instabil ist.

Fazit: Die Augen sind nicht „in Ordnung“, nur weil sie gesund aussehen

ME/CFS verursacht keine strukturelle Schädigung des Sehnervs – aber es beeinträchtigt die Funktion des visuellen Systems auf mehreren Ebenen. Die Sehstörungen sind real, organisch erklärbar und ein wichtiger Teil des Krankheitsbildes.

Und ja: Es ist frustrierend, wenn man trotz sieben Messungen keine passende Brille bekommt. Aber es ist kein persönliches Versagen und kein „psychisches Problem“. Es ist ME/CFS.

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