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Hier einmal in ganz persönlicher eigener Sache:

Ich schreibe offen über mein Leben, weil meine Sicht sonst niemand erzählt. Meine Beiträge sind öffentlich — und es ist völlig in Ordnung, wenn auch das Jugendamt mitliest. Ich nenne keine Namen, keine Schuldigen. Ich schreibe über ME/CFS, über Liebe, über Verlust und darüber, wie Entscheidungen manchmal weh tun. Gefühle sind keine Straftat. Meine Wahrheit auch nicht.

Einmal im Jahr:

Einmal im Jahr:

Unser kleiner Weihnachtsmarkt‑Zauber.

Einmal im Jahr packe ich meine Bastelarbeiten zusammen, lade alles ins Auto und fahre nach Neu‑Isenburg auf den Weihnachtsmarkt. Nicht, um das große Geld zu verdienen — ganz bestimmt nicht. Lach. Sondern weil es einfach Spaß macht.

Es ist dieses besondere Gefühl, wenn man zwischen all den Lichtern steht, die kalte Luft in der Nase, und die Leute neugierig über den Stand schauen. Manche bleiben stehen, manche lächeln nur kurz, manche erzählen kleine Geschichten, die man nie vergisst. Und mittendrin wir zwei — Heike und ich — mit unseren selbstgemachten Dingen, die irgendwie immer ein Stück Herz in sich tragen.

Für uns ist es kein Geschäft, sondern ein Ritual. Ein Tag, an dem wir rauskommen, reden, lachen, frieren, wieder lachen, und am Ende mit warmen Händen und kalten Füßen nach Hause fahren. Und jedes Jahr sagen wir: „Nächstes Jahr wieder.“

Manchmal sind es genau diese kleinen Traditionen, die das Leben schön machen.

Und wenn wir am Ende des Tages mit kalten Füßen, warmem Glühweinherz und exakt 27 Euro Umsatz nach Hause fahren, wissen wir: Wir sind eindeutig im falschen Business — aber im richtigen Leben.
„Die Tür und der kleine Junge“

„Die Tür und der kleine Junge“

„Die Tür und der kleine Junge“

Es gibt Momente, da steht ein ganzes Leben in einem Türspalt. Damals war Daniel fünf. Fünf – dieses Alter, in dem Kinder noch glauben, dass die Welt logisch ist und Erwachsene die Wahrheit sagen. Ein Alter, in dem ein „Ja“ ein Ja ist und ein „Nein“ ein Nein, ohne Hintertüren, ohne Politik, ohne Angst.

Ich stand vor dieser Tür, halb offen, halb geschlossen, wie ein Satz, den jemand nicht zu Ende sprechen will. Ich fragte, ob mein Enkel da ist. „Ja, aber wir sind alle krank“, kam es zurück. Dieses „alle“ war schon damals ein Wort, das wie ein Vorhang fällt. Ein Vorhang, hinter dem man etwas versteckt.

Mein Enkel war damals erst fünf. Fünfjährige verstecken nichts.

Ich fragte nach seinem Kopf, seinem Schnupfen, seinem Fieber. Er sagte jedes Mal „Nein“. Ein kleines, klares Nein. So ein Nein, das nur Kinder können – ohne Angst, ohne Berechnung, einfach wahr.

Und dann frage ich, ob er Oma Hallo sagen will. „Ja“, sagt er. Ein kleines Ja, das durch den Türspalt rutscht wie ein Sonnenstrahl.

Die Tür bleibt trotzdem zu.

Die andere Stimme – die Türstimme – wiederholt ihr Mantra: „Nein.“ „Es geht nicht.“ „Hör auf.“ „Wir sind krank.“ „Klär das mit mit deinem Sohn.“

Fünfjährige kennen keine Dinge, die man „klären“ muss. Fünfjährige kennen nur Menschen, die sie mögen, und Menschen, die sie nicht mögen. Und er mochte mich. Das hörte man in jedem seiner kleinen Worte.

Er widersprach der Türstimme. Er sagte, dass es ihm gut geht. Er sagte, dass er kein Fieber hat. Er sagte, dass er Hallo sagen will.

Und genau da wurde mir klar: Das Problem war nicht mein Enkel. Das Problem war nicht Krankheit. Das Problem war nicht Fieber. Das Problem war die Tür.

Die Tür, die ein Kind festhielt, das eigentlich nur einen Moment Nähe wollte. Die Tür, die nicht aus Holz bestand, sondern aus Angst, Kontrolle und einer Geschichte, die jemand unbedingt festhalten wollte.

Ich sagte, dass man ihn nicht einsperren kann. Die Türstimme sagte, sie sperre niemanden ein. Aber Türen lügen nicht. Sie zeigen, was Menschen nicht aussprechen.

Am Ende zog ich meinen Schuh aus dem Spalt, den man mir gerade noch gönnte. Ein Schuh, der mehr Freiheit gesehen hatte als die Person, die ihn blockierte.

Daniel blieb dahinter. Mit seinem klaren Nein zu Fieber. Mit seinem klaren Ja zu mir. Mit fünf Jahren, einem kleinen Herzen und einer großen Wahrheit.

Und ich ging. Nicht, weil ich aufgegeben habe. Sondern weil ich wusste: Kinder wachsen. Und eines Tages öffnen sie Türen selbst.

Mara´s Geburtstag 2023

Mara´s Geburtstag 2023

Heute hatte Mara (Danis Cousine) Geburtstag.
Dani kam in einem Zustand zur Feier, der mich wirklich erschüttert hat: Sein Gesicht war verschmiert, die Jogginghose schmutzig, das T-Shirt dreckig, und sogar die Unterhose hatte er falsch herum an.

Ich habe ihn erst einmal ins Bad genommen und ihm Gesicht und Hände gewaschen – beides war noch vom Kindergarten völlig verschmutzt. Das Wasser war danach richtig dunkelbraun.

Sein Opa ging mit ihm nach oben, um die Brille zu holen. Als er zurückkam, war er sichtlich geschockt. Er meinte, er habe schon viel gesehen, aber so eine Wohnung noch nie. Selbst früher, als unser Sohn noch mit Danis Mutter zusammen war, sei es dort nicht so gewesen. Die Brille konnten sie nicht finden – laut Bernd war es dort kaum möglich, überhaupt etwas zu finden.

Als mein Sohn später von der Arbeit kam, fragte ich ihn nach der Brille und ob Dani sie morgens im Kindergarten getragen hatte. Seine Antwort war nur: „Keine Ahnung.“

Als ich vorsichtig fragte, ob Dani kein sauberes T-Shirt mehr habe, eskalierte die Situation plötzlich. Er schlug mit der Hand auf den Tisch und beschimpfte mich aufs Übelste, unter anderem mit „fick dich“.

Das alles passierte vor meiner Ex-Schwägerin, Opa Bernd, meiner Tochter und ihrem Freund Tobias. Es war mir unglaublich unangenehm und hat mich sehr verletzt.

Danach rief er die Jungs zusammen und ging mit ihnen nach oben.

Später kam er noch einmal herunter und fragte, ob die Brille vielleicht bei mir sei – eventuell noch vom Schwimmbad.
Tatsächlich war sie noch in meiner Tasche. Es war also erst nach etwa 24 Stunden aufgefallen, dass sie fehlte.

Allen aus der Familie  ist aufgefallen, wie ungepflegt und verschmutzt die Jungs waren.

Dieser Tag hat mich sehr nachdenklich und auch traurig gemacht.

 

Schwimmbad mit Dani

Schwimmbad mit Dani

Die Autofahrt, die mir das Herz schwer machte

Wir waren auf dem Weg ins Schwimmbad, Dani und ich. Ein ganz normaler Ausflug, dachte ich. Ein bisschen Wasser, ein bisschen Lachen, ein bisschen Zeit nur für uns zwei. Doch noch bevor wir ankamen, hatte Dani mir Dinge erzählt, die mir wie kleine Steine ins Herz fielen.

Er saß hinten im Kindersitz, die Beine baumelten, die Stimme hell und vertraut. Und dann sagte er es einfach so, ohne Drama, ohne zu wissen, was seine Worte in mir auslösen würden:

Dass er manchmal hungrig ins Bett gehen muss. Dass er dann nicht gut schlafen kann, weil sein Bauch weh tut. So sachlich, so selbstverständlich, als wäre das einfach ein Teil seines Alltags.

Ich schluckte. Ich wollte ihn nicht erschrecken, wollte nicht, dass er merkt, wie sehr mich das trifft. Also hörte ich einfach zu. Aber in mir zog sich alles zusammen.

Und dann erzählte er weiter. Ganz beiläufig, als würde er von einem Spiel erzählen:

Dass Papa über rote Ampeln fährt. Aber das sei „nicht schlimm“, sagte er, „weil keine Polizei da war“.

Ein Kind, das versucht, die Welt zu verstehen. Ein Kind, das Regeln kennt — und gleichzeitig lernt, dass manche Menschen sie einfach ignorieren. Ein Kind, das sich anpasst, statt geschützt zu werden.

Ich fuhr weiter, ruhig, so ruhig ich konnte. Doch in mir war ein Sturm. Nicht laut, nicht wütend — eher dieses tiefe, schwere Gefühl, wenn man merkt, dass ein kleiner Mensch Dinge erlebt, die er nicht erleben sollte.

Dani erzählte weiter, fröhlich, unbeschwert. Er wusste nicht, was seine Worte bedeuteten. Aber ich wusste es.

Und in diesem Moment wurde mir klar, wie wichtig es ist, dass er bei mir reden kann. Dass er sich sicher fühlt. Dass er weiß: Bei mir darf alles gesagt werden. Auch das, was weh tut.

2.Mai 2023

2.Mai 2023

Gestern hat meine Schwiegertochter wieder ihr persönliches Freiluft‑Drama auf dem Balkon aufgeführt. Diesmal telefonierte sie mit ihrem Vater, und wie immer so laut, dass man meinen könnte, sie wolle Eintritt für ihre Aufführung verlangen. Ich konnte jedes Wort verstehen – vermutlich genau so, wie sie es beabsichtigt hat.

Sie erklärte ihm, dass sie sich wohl mit mir abfinden müsse, weil ich ja offensichtlich nicht vorhabe, hier wegzuziehen. Tragisch für sie, wirklich. Ein schweres Schicksal. Und ich müsse mich ja „wohl nicht ändern“, also müsse sie lernen, mich zu ignorieren. Ja, genau. Ich, das unlösbare Problem in ihrem perfekt inszenierten Familienidyll.

Dann kam der nächste Akt: Sie ziehen jetzt doch nicht weg. Das könnten sie den Jungs nicht antun, denn die fühlen sich hier ja so unglaublich wohl. Angeblich sind sie den ganzen Tag im Garten – bei dem schönen Wetter. Interessant, dass ich davon nie etwas höre. Vielleicht spielen sie ja in einem Paralleluniversum.

Natürlich planen sie jetzt den Garten umzubauen: Schaukel, Trampolin, Grillecke, Loungemöbel. Ein kleines Luxus‑Resort für die Familie „Wir tun so, als wäre alles perfekt“.

Zwischendurch erwähnte sie wieder, wie viel ihr Mann arbeitet und wie sehr ihn der Stress mit seiner Mutter belastet. Aber zum Glück führen die beiden ja „so tolle Gespräche“, die ihm helfen. Ich musste mich beherrschen, nicht laut zu lachen. Manche Menschen therapieren sich offenbar selbst durch Selbstdarstellung.

Dann lud sie ihren Vater ein, mit ihnen auf die Ronneburg zu fahren. Dani war ja mit mir dort – und er war so begeistert, dass er am liebsten am nächsten Tag wieder hin wollte. Aber das ginge ja nicht so einfach, hat sie ihm erklärt. Faszinierend, wie sie Erlebnisse kommentiert, die sie gar nicht hatte.

Zum Schluss schwärmte sie noch davon, wie toll die Jungs miteinander spielen und wie sehr sie zusammenhalten. Dani würde das mit seiner Brille so großartig machen, ganz alleine. Und sie sei so stolz auf „ihre zwei Jungs“. Ja, ihre. Natürlich.

Ich stand drinnen, hörte zu und dachte nur: Wenn Selbstinszenierung eine olympische Disziplin wäre, hätte meine Schwiegertochter längst Gold.

Gemeinsamer Einkauf

Gemeinsamer Einkauf

26.Juni.2023

Heute war Dani mit mir unterwegs, um für meinen Geburtstag Kuchen zu kaufen. Ein schöner, kleiner Ausflug — dachte ich. So einer, der leicht sein sollte, unbeschwert, ein bisschen Oma‑Enkel‑Zeit.

Doch dann stand er neben mir, mein Dani, und ich sah ihn richtig an.

Sein T‑Shirt war voller Löcher. Nicht kleine, zufällige — sondern so viele, dass es aussah, als hätte es längst ausgetauscht werden müssen. Und an seinen Füßen: dicke Ski‑Socken. Bei dreißig Grad. In Halbschuhen.

Es war dieser Anblick, der mich traf. Nicht laut, nicht dramatisch — eher wie ein Stich, der tief sitzt, weil er etwas zeigt, das man nicht sehen will.

Er selbst war fröhlich, wie immer. Er hüpfte neben mir her, suchte sich Kuchen aus, erzählte mir kleine Geschichten, als wäre alles ganz normal. Und vielleicht ist es für ihn normal. Vielleicht kennt er es nicht anders.

Aber ich stand daneben und spürte dieses Ziehen im Bauch. Dieses Gefühl, wenn man merkt, dass ein Kind nicht so umsorgt wird, wie es sollte. Dass jemand nicht hinschaut. Oder nicht genug.

Ich sagte nichts. Ich wollte ihm den Moment nicht nehmen, wollte nicht, dass er merkt, wie sehr mich das trifft. Also lächelte ich, hörte ihm zu, ließ ihn entscheiden, welchen Kuchen wir nehmen.

Doch innerlich blieb dieses Bild: Ein kleiner Junge, der an einem heißen Sommertag in Ski‑Socken und einem löchrigen T‑Shirt neben mir steht — und der es wert wäre, dass jemand besser auf ihn achtet.

Mein Berufsleben

Mein Berufsleben

Wenn ich auf mein Berufsleben zurückschaue, fühlt es sich manchmal an wie mehrere Leben in einem. Angefangen hat alles 1979, als ich in Frankfurt den Beruf der Modistin erlernte. Drei Jahre lang: Stoffe, Formen, Handwerk, Kreativität. Bis 1996 blieb ich diesem Beruf treu — ein Stück Identität, das mich durch viele Jahre getragen hat.

Zwischendurch gab es eine Zeit, in der ich ein kleines eigenes Bekleidungsgeschäft führte. Nicht, weil ich reich werden wollte, sondern weil es die einzige Möglichkeit war, den Alltag zu organisieren. Zwei Kinder, zwei verschiedene Schulen, täglich rund 50 Kilometer Autofahrt — und ich mittendrin, jonglierend zwischen Muttersein und Selbstständigkeit. Es war anstrengend, aber es funktionierte. Irgendwie.

Nach der Scheidung arbeitete ich Vollzeit im Modeeinzelhandel. Alleinerziehend, wechselnde Arbeitszeiten, kaum Planbarkeit — ein Spagat, den viele kennen, aber wenige wirklich verstehen. Doch ich habe ihn gemacht. Jahrelang.

2002 bis 2003 kam dann ein Wendepunkt: eine Vollzeit-Fortbildung zur Fachkraft für Online-Marketing und E‑Commerce. Und ja — ich liebe PCs. Schon seit der Amiga 2000 auf dem Markt war. Diese Welt hat mich begeistert: logisch, kreativ, grenzenlos.

Danach organisierte ich selbstständig Kurse in der Erwachsenenbildung, mit eigenem Büro in Frankfurt-Höchst. Wenn ein Dozent ausfiel, sprang ich einfach selbst ein. PC-Kurse geben? Kein Problem. Ich mochte es. Ich konnte es. Ich war gut darin.

Und dann begann etwas, das ich damals nicht verstand: Eine Müdigkeit, die nicht normal war. Ein Körper, der nicht mehr so wollte wie ich. Erst leise, dann lauter.

2008 war ich das erste Mal in Reha. Die Diagnose? „Psychosomatisch.“ Wie bei so vielen — zumindest vor Corona. Man sah die Erschöpfung, aber nicht die Krankheit dahinter.

Als es mir etwas besser ging, arbeitete ich über eine Zeitarbeitsfirma wieder. Erst 15 Stunden, dann Vollzeit. Und es war richtig cool. Ich habe Regale geschweißt, Qualitätskontrollen bei PKW‑Zulieferern gemacht und vieles mehr. Ich fühlte mich stark, gebraucht, lebendig.

Bis ich in einer Firma hängen blieb, die Akkus für E‑Bikes herstellte. Ich hatte das Gefühl, fürs Basteln bezahlt zu werden: löten, schweißen, montieren — ich liebte es. Es war ein Job, der sich nicht wie Arbeit anfühlte.

Und dann kam 2013. Pfeifferisches Drüsenfieber. Und ME/CFS traf mich mit voller Kraft — ohne Vorwarnung, ohne Gnade.

Von da an ging es nicht mehr bergauf. Nur noch bergab. Und am Ende stand die volle Erwerbsunfähigkeitsrente. Erst befristet, seit 2017 unbefristet.

Ein Berufsleben, das reich war an Arbeit, an Kreativität, an Verantwortung, an Mut. Und ein Ende, das ich mir nie ausgesucht habe.

Aber es ist meine Geschichte. Und sie zeigt eines ganz deutlich: Ich war immer jemand, der gearbeitet hat, der gekämpft hat, der sich weitergebildet hat, der Lösungen gefunden hat, wo andere Probleme sahen. ME/CFS hat mir nicht die Motivation genommen — nur die Kraft.

Und manchmal ist das der größte Verlust von allen.

Der Nachmittag im Garten

Der Nachmittag im Garten

5.Mai 2021

Ich war im Garten, als Dani plötzlich zu mir nach draußen kam. Er lief, wie Kinder eben laufen — schnell, unbedacht, voller Energie. Aber schon auf den ersten Blick sah ich, dass etwas nicht stimmte.

Er war völlig verdreckt, was mich nicht gestört hätte. Dreck gehört zu Kindern wie Lachen und Spielen. Aber seine Füße… seine Füße haben mir den Atem stocken lassen.

Er konnte seine Schuhe nicht anziehen. An beiden Fersen hatte er riesige, offene Blasen — roh, rot, schmerzhaft. Er sollte trotzdem Schuhe anziehen. Ohne Socken. Ohne Pflaster. Sie wollten einkaufen fahren.

Es war dieser Moment, in dem man innerlich kurz stehen bleibt. Nicht, weil man überrascht ist, sondern weil man traurig ist, dass niemand vorher hingeschaut hat.

Ich nahm Dani mit zu mir. Ganz selbstverständlich. Ganz ruhig. Ich setzte ihn hin, wusch ihm vorsichtig die Füße, trug Wundsalbe auf und klebte ein großes Pflaster darüber. Er sagte nichts. Er ließ es einfach geschehen, als wäre es normal, dass jemand anders sich um seine Schmerzen kümmert.

Er blieb dann bei mir. Und ich war froh darüber — froh, dass er einen Ort hatte, an dem jemand hinschaut, hinhört, hilft.

Gegen 19 Uhr kamen sie zurück. Mit Hamburgern von McDonald’s. Als wäre das der Ausgleich für alles, was vorher nicht gesehen wurde.

Ich sagte nichts. Aber in mir blieb dieses Bild: Zwei kleine Jungen, die mit ohne Socken in neuen Schuhen laufen sollen — und ein Kind, das erst bei mir die Fürsorge bekommt, die es verdient.

 

 

29. Oktober 2021

29. Oktober 2021

 

– Ein Kind, das nur bleiben wollte

Ich war mit meinen Hunden im Garten, als alle aus dem Haus kamen. Danny weinte schon im Treppenhaus. Als er mich sah, rannte er zu mir, umarmte mich und sagte:

„Oma, ich will bei dir bleiben.“

Er malte mit Kreide ein Auto auf den Boden, versuchte sich abzulenken.

mein Sohn kam und sagte:

„Nein, du kommst sofort mit.“

Danny weinte:

„Oma, ich will bei dir bleiben.“

Ich sagte:

„Dann lass ihn doch hier.“

Mein Sohn:

„Es ist mein Sohn und ich entscheide, was er tut.“

meine Schwiegertochter rief im Hintergrund:

„Petra, lass Danny in Ruhe. Er ist sein Sohn..“

Den Rest habe ich gefilmt.

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