5.Mai 2021
Ich war im Garten, als Dani plötzlich zu mir nach draußen kam. Er lief, wie Kinder eben laufen — schnell, unbedacht, voller Energie. Aber schon auf den ersten Blick sah ich, dass etwas nicht stimmte.
Er war völlig verdreckt, was mich nicht gestört hätte. Dreck gehört zu Kindern wie Lachen und Spielen. Aber seine Füße… seine Füße haben mir den Atem stocken lassen.
Er konnte seine Schuhe nicht anziehen. An beiden Fersen hatte er riesige, offene Blasen — roh, rot, schmerzhaft. Er sollte trotzdem Schuhe anziehen. Ohne Socken. Ohne Pflaster. Sie wollten einkaufen fahren.
Es war dieser Moment, in dem man innerlich kurz stehen bleibt. Nicht, weil man überrascht ist, sondern weil man traurig ist, dass niemand vorher hingeschaut hat.
Ich nahm Dani mit zu mir. Ganz selbstverständlich. Ganz ruhig. Ich setzte ihn hin, wusch ihm vorsichtig die Füße, trug Wundsalbe auf und klebte ein großes Pflaster darüber. Er sagte nichts. Er ließ es einfach geschehen, als wäre es normal, dass jemand anders sich um seine Schmerzen kümmert.
Er blieb dann bei mir. Und ich war froh darüber — froh, dass er einen Ort hatte, an dem jemand hinschaut, hinhört, hilft.
Gegen 19 Uhr kamen sie zurück. Mit Hamburgern von McDonald’s. Als wäre das der Ausgleich für alles, was vorher nicht gesehen wurde.
Ich sagte nichts. Aber in mir blieb dieses Bild: Zwei kleine Jungen, die mit ohne Socken in neuen Schuhen laufen sollen — und ein Kind, das erst bei mir die Fürsorge bekommt, die es verdient.