Es ist schon faszinierend, wie sich manche Geschichten entwickeln. Vor über vier Jahren war ich bei einer Familienberatung. Ganz offiziell, ganz seriös, ganz konstruktiv. Dort wurde mein Sohn eingeladen, um gemeinsam mit mir ein Gespräch zu führen. Ein neutraler Raum, eine Fachperson, die helfen sollte, Missverständnisse zu klären. Ein Angebot, das man normalerweise annimmt, wenn man wirklich an Lösungen interessiert ist.
Die Antwort meines Sohnes? Ein freundliches, bestimmtes: „Es gibt keine Probleme.“ Und damit war das Thema für ihn erledigt. Für mich natürlich nicht — denn die „nicht vorhandenen Probleme“ tauchen seitdem in Form von Anzeigen, Vorwürfen und kreativen Erzählungen immer wieder auf. Aber gut, jeder definiert „Problem“ eben anders.
Manchmal frage ich mich, ob ich damals vielleicht die falsche Person zur Beratung geschickt habe. Ich saß dort, offen, bereit zu reden, bereit zuzuhören, bereit, Verantwortung zu übernehmen. Und die andere Seite? Hat sich geweigert, überhaupt den Raum zu betreten.
Und jetzt, Jahre später, bekomme ich Anhörbögen, in denen mir erklärt wird, wie ein Strafbefehlsverfahren funktioniert. Als wäre ich diejenige, die nicht kommunizieren kann. Als wäre ich diejenige, die Konflikte eskaliert. Als wäre ich diejenige, die dringend eine Beratung bräuchte.
Dabei war ich die Einzige, die tatsächlich dort war.
Vielleicht sollte ich das nächste Mal einfach den Beratungsraum reservieren und die Einladung direkt an die richtigen Personen schicken. Mit dem Hinweis: „Keine Sorge, es gibt dort auch Kaffee. Und keine Polizei.“
Denn ganz ehrlich: Wenn jemand vier Jahre lang behauptet, es gäbe „keine Probleme“, während gleichzeitig Anzeigen geschrieben werden, dann ist das kein strafrechtliches Thema. Das ist ein Thema für Menschen, die lernen müssen, wie man Konflikte löst, bevor man Behörden einschaltet.
Aber gut. Ich bleibe ruhig, trinke meinen Kaffee, fülle meine Bögen aus und lasse die anderen ihre Dramen ausleben. Manche Menschen brauchen eben keine Polizei. Sie brauchen eine Beratung. Und zwar dringend.