Hier einmal in ganz persönlicher eigener Sache:

Ich schreibe offen über mein Leben, weil meine Sicht sonst niemand erzählt. Meine Beiträge sind öffentlich — und es ist völlig in Ordnung, wenn auch das Jugendamt mitliest. Ich nenne keine Namen, keine Schuldigen. Ich schreibe über ME/CFS, über Liebe, über Verlust und darüber, wie Entscheidungen manchmal weh tun. Gefühle sind keine Straftat. Meine Wahrheit auch nicht.

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Wasser des Mains überschreitet kritische Marke – Leben im Fluss akut gefährdet

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Manchmal erzählt ein Fluss die Wahrheit leiser als jeder Mensch. Der Main tut das gerade. Während oben am Ufer die Leute über die Hitze stöhnen und Ventilatoren aus den Baumärkten schleppen, kämpft unten im Wasser ein komplettes Ökosystem um Luft. Nicht irgendwann. Jetzt. Direkt vor unserer Haustür.

Über eine Woche lang war der Main wärmer, als ein Fluss es aushält. 25 Grad – für uns ein netter Badetag, für Fische der Anfang vom Ende. Warmes Wasser hält kaum Sauerstoff. Und wenn die Luft im Wasser knapp wird, wird jedes Lebewesen dort unten plötzlich zum Überlebenskünstler, weil wir Menschen es nicht geschafft haben, rechtzeitig zu handeln.

Der Main heizt schneller auf als andere Flüsse, weil man ihn seit Jahrzehnten in Staustufen gezwängt hat. Ein Fluss, der nicht fließen darf, wird träge – und warm. Das weiß jeder Gewässerökologe. Aber man hat den Main trotzdem behandelt wie eine praktische Wasserleitung für Industrie und Schifffahrt. Hauptsache bequem. Hauptsache wirtschaftlich. Hauptsache niemand muss etwas ändern.

Und die Regierung? Sie hält große Reden über Klimaziele, während der Fluss nebenan langsam erstickt. Man „fordert“ die Industrie auf, Abwasser zu kühlen. Fordert. Nicht verpflichtet. Nicht kontrolliert. Ein höflicher Hinweis, während Fische nach Sauerstoff schnappen. So regiert man nicht. So verwaltet man ein Problem, bis es größer wird.

Ich bin grünwählend, weil ich glaube, dass man Verantwortung nicht nur predigt, sondern lebt. Und genau deshalb macht mich diese aktuelle Politik so wütend. Dieses ewige „Wir schauen mal“, „Wir prüfen“, „Wir empfehlen“. Währenddessen wird ein lebendiger Fluss zur warmen Brühe, in der Leben nur noch knapp über der Grenze existiert.

Renaturierung, Schattenzonen, echte Vorgaben – alles kommt viel zu spät. Und der Main zeigt uns, was passiert, wenn man Erwärmung ignoriert: Ein Ökosystem bricht nicht plötzlich zusammen. Es bricht langsam. Stück für Stück. Und wir schauen zu, als wäre es ein Naturfilm.

Die nächste Hitzewelle kommt. Natürlich kommt sie. Die Frage ist nur, ob der Main dann noch genug Kraft hat, um weiterzuerzählen – oder ob wir irgendwann nur noch die Stille hören, die bleibt, wenn man zu lange gewartet hat.

Und ja: Ich wähle Grün, weil ich keine Regierung will, die Flüsse bittet, statt sie schützt. Weil ich Politik will, die handelt, bevor ein Fluss um Luft ringt. Weil ich es satt habe, dass man Natur erst ernst nimmt, wenn sie tot ist.

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