Manchmal schaue ich in die politische Debatte und frage mich, ob wir kollektiv beschlossen haben, dass Realität optional ist. Die komplette Ablehnung der Grünen – quer durchs bürgerliche Wohnzimmer bis tief in die Kommentarspalten – wirkt inzwischen wie ein Volkssport. Und zwar einer ohne Regeln, aber mit sehr viel Lautstärke.
Dabei ist die Erklärung herrlich simpel: Die Grünen sind die Überbringer der schlechten Nachricht. Nicht die Verursacher. Nicht die Verbieter. Nur die, die sagen: „Äh… Leute? Die Welt verändert sich. Vielleicht sollten wir das berücksichtigen.“
Und genau dafür werden sie behandelt, als hätten sie persönlich jedem Deutschen den Heizkessel aus dem Keller getragen und dabei noch den Sonntagsbraten verboten. Ironischerweise tun sie all das, was man ihnen unterstellt, gar nicht. Keine Verbote, keine Umerziehung, keine Radikalität. Sie bemühen sich sogar um Verständnis – was in manchen Kommentarspalten ungefähr so sinnvoll ist wie ein Regenschirm im Orkan.
Aber gut. Wer die schlechte Nachricht bringt, wird selten mit Kuchen empfangen.
Ich sitze dann da, nippe an meinem Kaffee und denke: Die Realität ist halt wie sie ist. Sie verschwindet nicht, nur weil man sie anschreit oder auf eine Partei projiziert, die zufällig den Mut hat, sie auszusprechen. Der Transformationsdruck ist real – egal, ob man ihn mag oder nicht.
Und manchmal wünsche ich mir, wir würden alle einmal tief durchatmen, die Lautstärke runterdrehen und uns daran erinnern, dass man den Überbringer der Nachricht nicht erschießen muss. Man könnte auch einfach zuhören.
Aber ich bin Liefie. Ich beobachte, ich schmunzle, ich schüttele den Kopf – und schreibe es auf. Weil Ignorieren noch nie eine Lösung war.