Am 27. Oktober 2021
kam Daniel morgens um halb neun zu mir. Wir starteten ruhig in den Tag: Bügelperlen, ein Fernglas aus Klopapierrollen, Wachsmalkreiden, Wasserfarben. Danach wühlte er begeistert in meiner Faschingskiste und probierte Verkleidungen an. Es war einer dieser Vormittage, an denen Kinderfantasie den ganzen Raum füllt.
Zwischendurch erzählte er, was er von Zuhause mitgebracht hatte – Sätze, die zeigen, wie viel Kinder aufnehmen und wie sehr sie versuchen, die Welt der Erwachsenen zu sortieren. Ich hörte einfach zu, ohne zu werten.
Später gingen wir mit den Hunden auf die Wiese und fuhren zusammen einkaufen. Bei Penny suchte er sich eine Brezel aus. Er hielt sie die ganze Zeit in der Hand, traute sich aber nicht abzubeißen. Erst als ich sagte, dass er sie natürlich essen darf und ich sie später bezahle, entspannte er sich. In solchen Momenten fällt mir immer wieder auf, wie oft er fragt: „Darf ich das?“ — ein Satz, der viel über seine innere Vorsicht erzählt.
Wir besuchten auch seine Uroma. Er spielte mit Legosteinen, ganz versunken, bis er plötzlich innehielt und sagte: „Ich bin traurig.“ Kinder sagen solche Sätze ohne große Erklärung — und genau deshalb hört man sie so deutlich.
Ein paar Tage vorher waren Kevin, Jayden und Daniel im Garten gewesen. Daniel rief wie so oft: „Oma, kommst du in den Garten?“ Also ging ich mit den Hunden raus. Kaum war ich da, fragte er: „Darf ich runter zu dir kommen und Müsli essen?“ Bevor ich antworten konnte, kam von seinem Vater: „Wer sein Mittagessen nicht gegessen hat, hat auch keinen Hunger. Du gehst nicht zu Oma.“ Ich sagte nichts. Manchmal ist Schweigen die einzige Möglichkeit, die Situation nicht noch schwerer zu machen.
Diese kleinen Szenen zeigen, wie viel in einem Kind vorgeht — Freude, Unsicherheit, Mut, Rückzug, Neugier. Und wie wichtig es ist, Räume zu haben, in denen sie einfach sein dürfen.