Abschied von einem stillen Begleiter
Am 4. März 2026 wurde mein Stiefvater auf dem Friedhof in Ober‑Rodenbach beigesetzt. Ich stand dort und dachte zurück – nicht an große gemeinsame Momente, sondern an die vielen Jahre, in denen er einfach da war.
Als Kind hatte ich kein wirkliches Verhältnis zu ihm. Er war der Mann meiner Mutter, und ich tat, was Kinder manchmal tun: Ich ignorierte ihn. Er war da, aber fremd – ein Teil des Hauses, nicht meines Herzens.
Später, als ich selbst Mutter war, bekam er eine neue Rolle. Für meine Kinder war er ihr Opa. Und wenn er gebraucht wurde, war er da – ohne viele Worte, ohne Bedingungen.
Auch für seine Urenkel war er dieser stille, verlässliche Mensch. Kein Held, kein Mittelpunkt – aber jemand, auf den man sich verlassen konnte.
Es war traurig zu sehen, dass mein Sohn ihm nicht einmal die letzte Ehre erwiesen hat. Vielleicht, weil man manchmal erst zu spät erkennt, dass Verlässlichkeit auch Liebe ist. Nicht laut, nicht glänzend – aber echt.
Ich habe an diesem Tag Abschied genommen von einem Menschen, der nie viel gesagt hat, aber viel getan. Und vielleicht ist das die stillste, ehrlichste Form von Nähe, die es gibt.
