Hier einmal in ganz persönlicher eigener Sache:

Ich schreibe offen über mein Leben, weil meine Sicht sonst niemand erzählt. Meine Beiträge sind öffentlich — und es ist völlig in Ordnung, wenn auch das Jugendamt mitliest. Ich nenne keine Namen, keine Schuldigen. Ich schreibe über ME/CFS, über Liebe, über Verlust und darüber, wie Entscheidungen manchmal weh tun. Gefühle sind keine Straftat. Meine Wahrheit auch nicht.

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Wenn meine Worte endlich ankommen

Manchmal schreibt man einfach drauflos, weil es gut tut. Weil Worte Ordnung schaffen, wo das Leben manchmal chaotisch ist. Und dann kommt der Moment, in dem man merkt: Jetzt liest jemand mit, der sonst nur Akten liest.

Genau das ist bei mir passiert. Das Jugendamt schaut sich meine Facebook‑Seite an — und wahrscheinlich auch meinen Blog. Nicht überraschend, nicht heimlich, sondern genau so, wie ich es wollte.

Ich habe lange genug erlebt, wie Geschichten nur halb erzählt werden. Wie Entscheidungen getroffen werden, ohne dass jemand versteht, wie es sich für die Menschen anfühlt, die mittendrin stehen. Wie schnell man in eine Rolle gedrängt wird, die mit der Realität wenig zu tun hat.

Und dann kommt noch etwas dazu, das man nicht sieht, wenn man nur auf Papier schaut: ME/CFS. Eine Krankheit, die leise ist, aber laut wirkt. Die den Körper ausbremst, den Kopf vernebelt, die Energie frisst und den Alltag zu einem Minenfeld macht. Eine Krankheit, die man nicht „wegdenkt“, nicht „wegschläft“, nicht „wegorganisiert“.

Was weh tut: Dass genau diese Krankheit manchmal gegen mich verwendet wird. Als wäre Erschöpfung ein Charakterfehler. Als wäre Überforderung ein Beweis für Unfähigkeit. Als wäre ein Körper, der nicht regeneriert, ein Argument gegen meine Liebe, meine Fürsorge, meine Verantwortung.

Aber ME/CFS macht mich nicht weniger Mutter. Nicht weniger Oma. Nicht weniger Mensch. Es macht mich nur müder — und manchmal verletzlicher.

Deshalb schreibe ich. Nicht, um jemanden schlecht zu machen. Nicht, um Drama zu erzeugen. Sondern weil ich endlich wollte, dass auch meine Seite der Geschichte sichtbar wird.

Meine Texte sind persönlich, manchmal schmerzhaft, manchmal humorvoll, aber immer ehrlich. Sie zeigen, wie es ist, wenn man Verantwortung trägt, wenn man liebt, wenn man kämpft, wenn man Fehler macht und trotzdem weitermacht. Sie zeigen, dass hinter jeder Akte ein Mensch steht — mit Herz, mit Geschichte, mit Verletzungen und mit Hoffnung.

Wenn das Jugendamt nun mitliest, dann sehen sie nicht nur das, was andere erzählen. Sie sehen meine Gedanken, meine Sicht, meine Realität. Und vielleicht verstehen sie dadurch ein bisschen besser, warum manche Entscheidungen weh tun, warum manche Situationen kompliziert sind, und warum ich trotzdem jeden Tag versuche, das Richtige zu tun.

Ich habe nichts zu verstecken. Nur etwas zu erklären.

Und manchmal ist das der wichtigste Schritt überhaupt.

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