Hier einmal in ganz persönlicher eigener Sache:

Ich schreibe offen über mein Leben, weil meine Sicht sonst niemand erzählt. Meine Beiträge sind öffentlich — und es ist völlig in Ordnung, wenn auch das Jugendamt mitliest. Ich nenne keine Namen, keine Schuldigen. Ich schreibe über ME/CFS, über Liebe, über Verlust und darüber, wie Entscheidungen manchmal weh tun. Gefühle sind keine Straftat. Meine Wahrheit auch nicht.

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„Wenn der Kopf langsamer ist als die Welt“

Es gibt Tage, da fühlt sich mein Kopf an, als hätte jemand die Prozessorleistung auf „Sparmodus“ gestellt. Nicht freiwillig, versteht sich. ME/CFS bringt diesen charmanten Begleiter mit, den man „Brain Fog“ nennt. Ein Name, der klingt wie ein Wetterphänomen, aber leider deutlich hartnäckiger ist als Nebel im Garten.

Verlangsamtes Denken? Ja, das kenne ich. Ich lese einen Satz, und während ich noch versuche, ihn zu verstehen, hat die Welt schon drei neue Themen angefangen. Gespräche sind manchmal wie ein Schnellzug, und ich stehe am Bahnsteig und winke hinterher.

Kurzzeitgedächtnis? Manchmal frage ich mich, ob mein Gedächtnis eine Art Durchgangszimmer geworden ist. Dinge kommen rein, schauen sich kurz um und gehen wieder raus, ohne sich zu verabschieden. Ich nenne es „Gedankenflucht“. Andere nennen es „Vergesslichkeit“. Ich finde meinen Begriff schöner.

Wortfindungsstörungen? Oh, ein Klassiker. Ich weiß genau, was ich sagen will, aber das passende Wort spielt Verstecken. Und ich stehe da, mitten im Satz, und denke: „Na toll. Jetzt hat der Faden auch Feierabend.“

Multitasking? Ein Mythos. Zumindest für mich. Wenn Geräusche, Licht und Gespräche gleichzeitig auf mich einprasseln, fühlt es sich an, als würde jemand meinen Kopf mit einem Schlagzeug bearbeiten. Dann geht gar nichts mehr. Ein Sinneseindruck ist okay. Zwei sind schwierig. Drei sind ein Festival, für das ich kein Ticket habe.

Und genau deshalb gibt es etwas, das mir wirklich hilft: Schreiben.

Schreiben ist mein Rettungsring. Wenn ich schreibe, sortiert sich der Nebel ein bisschen. Gedanken, die sonst wie lose Blätter herumflattern, bekommen Gewicht. Ich kann sie festhalten, ordnen, in Ruhe anschauen — ohne dass jemand drängelt, ohne dass die Welt schneller dreht, als ich folgen kann.

Manchmal schreibe ich, um mich zu erinnern. Manchmal schreibe ich, um mich zu beruhigen. Manchmal schreibe ich, um mich selbst wiederzufinden.

Und manchmal schreibe ich, weil es die einzige Möglichkeit ist, meine Gedanken so festzuhalten, dass ich sie später noch einmal lesen kann — ohne dass sie sich vorher in Luft auflösen.

Vielleicht ist das der eigentliche Kern: Ich kämpfe nicht gegen den Nebel. Ich lerne, mich darin zu bewegen. Und das Schreiben ist die Spur, die ich mir lege, damit ich den Weg zurück finde.

Ein bisschen ironisch, ein bisschen trotzig, ein bisschen ich.

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