Hier einmal in ganz persönlicher eigener Sache:

Ich schreibe offen über mein Leben, weil meine Sicht sonst niemand erzählt. Meine Beiträge sind öffentlich — und es ist völlig in Ordnung, wenn auch das Jugendamt mitliest. Ich nenne keine Namen, keine Schuldigen. Ich schreibe über ME/CFS, über Liebe, über Verlust und darüber, wie Entscheidungen manchmal weh tun. Gefühle sind keine Straftat. Meine Wahrheit auch nicht.

Wenn ein Kind im Mittelpunkt steht: Meine Antwort auf einen öffentlichen Beitrag über 2018

Wenn ein Kind im Mittelpunkt steht: Meine Antwort auf einen öffentlichen Beitrag über 2018

Vor kurzem wurde ein öffentlicher Beitrag über das Jahr 2018 geteilt – eine sehr persönliche Sicht auf die ersten Tage nach der Geburt meines Enkels. Dieser Beitrag erzählt eine emotionale Geschichte aus der Perspektive der Mutter. Ich möchte hier meine eigene Sicht ergänzen, nicht um jemanden zu kritisieren, sondern um die Geschichte eines Kindes vollständig zu machen.

Als mein Enkel 2018 geboren wurde, befand sich die gesamte Situation in einem Zustand, der für ein Neugeborenes riskant hätte werden können. Ich habe damals gehandelt, weil ein Baby keine Zeit hat, bis Erwachsene ihre Stabilität wiederfinden. Ohne meine Aufnahme wäre er in eine Pflegefamilie gekommen. Diese Entscheidung war keine Einmischung, sondern eine notwendige Verantwortung – damit er in seiner Familie bleiben kann und nicht in fremde Hände gerät.

Ich möchte an dieser Stelle klar sagen: Ich bin keine Ärztin und keine Psychologin. Ich konnte die Erkrankung der Mutter meines Enkels nicht behandeln, nicht auffangen und nicht professionell begleiten. Das lag außerhalb meiner Möglichkeiten und meiner Kompetenz. Was ich tun konnte – und tun musste – war das, was jede verantwortungsvolle Bezugsperson tun würde: ein Neugeborenes schützen, versorgen und stabilisieren, wenn die Umstände es erfordern.

Was oft übersehen wird: Ich hatte keinerlei Unterstützung. Nicht von außen, nicht von Stellen, und auch nicht von meinem Sohn. Ich stand allein da – mit einem Neugeborenen, das Nähe, Ruhe und Sicherheit brauchte, und einer Situation, die jeden überfordert hätte. Und das alles trotz meiner eigenen Erkrankung, auf die nie jemand auch nur ansatzweise Rücksicht genommen hat – weder damals noch heute. Trotzdem habe ich ihn gewickelt, beruhigt, getragen, nachts wach gelegen und dafür gesorgt, dass er in Sicherheit ist. Nicht aus Kontrolle, sondern aus Fürsorge. Nicht aus Angst, sondern aus Verantwortung.

In dem öffentlichen Beitrag fehlen diese Aspekte – die Perspektive des Kindes, das damals auf verlässliche Strukturen angewiesen war. Ein Neugeborenes braucht Menschen, die präsent bleiben, wenn es schwierig wird. Das war mein Platz, und ich habe ihn ausgefüllt, so gut ich konnte.

Heute wünsche ich ihm mehr denn je, dass er Menschen um sich hat, die ihm genau das geben. Denn am Ende geht es nicht um Vergangenheit, nicht um Vorwürfe – sondern um ein Kind, das ein stabiles Umfeld verdient.

Oft frage ich mich, ob ich „besser“ hätte reagieren können. Doch wenn ich ehrlich bin, gab es dafür keinen Raum. Ich bin keine Ärztin und keine Psychologin. Ich konnte die Erkrankung der Mutter nicht behandeln, keine Diagnosen stellen und keine therapeutische Begleitung leisten. All das wären Aufgaben von Fachleuten gewesen – nicht von mir. „Besser“ wäre nur möglich gewesen, wenn 2018 ein ganzes Netzwerk aus Ärzten, Psychologen, Familienhilfe und Angehörigen bereitgestanden hätte. Das war nicht der Fall. Ich war allein – und habe unter diesen Bedingungen das Maximum getan, das ein einzelner Mensch leisten kann.

 

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